Lausitzer Rundschau - "Der Zinsgroschen", vorgestellt beim Kunstverein

Erstellt: Montag, 04. April 2011 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014 Geschrieben von Martin Schmidt

Meditationen zur Kunst im Heute-"Der Zinsgroschen" von Tizian

Das Bild „Der Zinsgroschen“ des italienischen Malers der Renaissance Tizian bildete den Mittelpunkt zur jüngsten Begegnung mit bildender Kunst im Hoyerswerdaer Rudolf Renner Kunstverein. Rudolf Renner, Gesprächspartner dieses Kreises seit vielen Jahren, überraschte auch seine Zuhörer mit einem eigenem „Weg zu Tizian“: „Ich kann sie an das Bild heranführen, wie sie es aufnehmen, müssen sie allein entscheiden.“
Eine Wiedergabe von Tizians Meisterwerk, fast 500Jahre alt, dominierte den Raum, zog die Blick an, während der Kunstwissenschaftler aus Senftenberg kurz das Anliegen der Renaissance erläuterte, ebenso konzentriert die Lebensstationen Tizians nannte, um dann zu beschreiben, wie das Bild und die vielen anderen Meisterwerke in die Kunstsammlung der sächsischen Kurfürsten kam.
Diese kurzen, locker und mit heiterer Freude an der Kunst vorgetragenen Gedanken führten zu dem Kern seiner Aussage: Die Renaissance stellte nicht nur den Menschen ins Zentrum der Kunst, sondern betonte die Darstellung Gottes als Mensch in der Welt.  Daher bestimmt Jesus das Bild, gekennzeichnet durch ein Gewand kräftig roter und blauer Farben, nur andeutungsweise mit einem Heiligenschein versehen. Sein Blick, einem Fragesteller zugewandt, fesselt die Betrachter, sie „blicken tiefer als Menschenaugen“. Er weist auf eine Münze, die eine andere Person hält, als fordere er ihn auf: „Sieh das Bild des römischen Kaisers auf dem Dinar und stell dich der Wirklichkeit. Gib das Geld dem, dem es gehört.“
Rudolf Renner sagte dieses Bild sei ebenso einzigartig wie jeder Menschen, oder wie ein Maler formulierte „ Wir sehen viele Millionen Schneeflocken und doch ist jeder von ihnen eine eigene geformte.“ Auskosten des Augenblicks und Besinnen auf die eigene Haltung, das eigene Denken, vermittle das Bild. Damit begann ein Gedankenaustausch, der sich im Saal fortsetzte, da er zu dem Nachdenken führte, wie diese Einmaligkeit jedes Menschen gestärkt und unterstützt werden könne. Kunst aufzunehmen, zu gestalten und die eigenen Kräfte zu entwickeln, sei jedem Menschen gegeben, sagte der Kunstmittler und verlockte seine Zuhörer verschiedenster Berufe zum Dialog. Die Blicke richteten sich auf die Kinder, denen der Weg zu Entfaltung ihrer Phantasie, ihrer schöpferischen Begabungen eröffnet werden müsse. Die Antwort auf die Frage, ob der Mensch allein aus sich heraus kreativ Neues schaffen könne oder die Umwelt ihn dazu anrege, ihm dieses Können vermittle, musste an diesem Abend offen bleiben. Um sie wird seit Jahrhunderten gerungen: Das Nachdenken darüber sei hilfreich, denn es führe zum Gespräch mit Anderen, mochte das Fazit dieser Begegnung mit der Kunst lauten. Tizian und sein Bild erwies sich nicht nur als bewunderter Meister einer fernen Renaissance, sondern regt auch heute Gedanken an, die hilfreich für das Miteinander sind. Die Kunstfreunde in Hoyerswerda warten daher auf weitere Meditationen mit Rudolf Renner.
Veröffentlicht in der Lausitzer Rundschau

 

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