Lausitzer Rundschau - Arbeitstreffen von Pädagogen

Erstellt: Freitag, 01. April 2011 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014 Geschrieben von Katrin Demczenko

Zusammenarbeit der Lehrer hilft den Schülern

Angela Potowski, Marika Götze, Kathrin Bartholomäus, v.l.

Der Übergang von der vierten in die fünfte Klasse, von der übersichtlichen, gewohnten Grundschule in die weiterführende Schule, ist ein großer Schritt und erzeugt naturgemäß bei dem Kind und seinen Eltern Unsicherheiten bezüglich des Gelingens.
Die Lehrer nehmen das ernst und veranstalten neben Elternabenden auch jährlich im Lessing-Gymnasium Hoyerswerda ein Arbeitstreffen. Grundschullehrer der Stadt und des Altkreises Hoyerswerda sprechen dort mit den Lehrern des Gymnasiums in Fachgruppen über Probleme, die die Schüler beim Übergang von der einen in die andere Schulform haben.
Zum Auftakt des diesjährigen Treffens wurde die Auswertung einer nicht repräsentativen Befragung vorgestellt, in der Fünftklässler der Mittelschule Wittichenau und des Lessing-Gymnasiums Hoyerswerda ihre Probleme benennen konnten. Marika Götze und Kathrin Bartholomäus, Fachberaterinnen der Sächsischen Bildungsagentur Bautzen für Grundschulen, hatten sie durchgeführt und erklärten nun, dass die Gymnasiasten vor allem lange Schulwege und viele Hausaufgaben bemängeln und sich mehr Zeit und Hilfe dafür von zu Hause wünschen. Mittelschüler und Gymnasiasten waren einhellig der Meinung, dass sie schlechte Noten oder gar ein “Sitzenbleiben“ stark belasten. Schwierige Aufgaben, die in kurzer Zeit gelöst werden müssen, führen dazu, so die Schülersicht. Genauso schlimm finden es die Kinder, sich vor der Klasse zu blamieren.
Um bei dieser Vielzahl der Probleme helfen zu können, arbeiten die Lehrer an diesem Nachmittag zusammen. Z. B. erklärt Kathrin Bartholomäus, Fachberaterin Deutsch für Grundschulen, den Deutschlehrern des Gymnasiums das nach dem Lehrplan und den Bildungsstandards angestrebte Abschlussniveau ihres Faches, mit dem die Schüler die Schule verlassen sollen. Außerdem stellt sie Lehrmethoden vor, damit die Gymnasiallehrer genau erfahren, wie an der Grundschule das Schreiben gelehrt wird. Anhand von Schreibproben zeigt sie die Streubreite des tatsächlich erworbenen Wissens. Trotz aller Mühen müssen Gymnasial- und Grundschullehrer einstimmig feststellen, dass die Rechtschreibleistungen der Kinder von Jahr zu Jahr schlechter werden. Um dem Entgegenzuwirken lernen die Erstklässler seit 2009 die Druckschrift als Erstschrift und die Schreibschrift dann, wenn die Buchstabenkenntnisse gefestigt sind, erklärt Katrin Bartholomäus. Aus dem Erlernen der Druckschrift folgt aber, so Elke Blazejczyk, Deutschlehrerin im Lessing-Gymnasium, dass die Kinder beim Schreiben lernen weniger abstrahieren müssen. „Mit der Druckschrift geben wir dem Negativtrend nach“, äußert sie nachdenklich.
Insgesamt müssten die Lehrpläne von Grund- und weiterführenden Schulen besser miteinander verzahnt werden. Hilfreich wäre es, so die Gymnasiallehrer, wenn schon die Viertklässler Aufgabenstellungen wie Beweise! oder Erkläre! genauso bearbeiten lernen, wie es an weiterführenden Schulen gefordert wird. Auch das Ausarbeiten von Vorträgen mit Stichwortzettel gehört dazu. Diese und andere Anregungen nimmt die Fachberaterin Sachkunde der Regionalstelle Bautzen für Grundschulen, Marika Götze, aus ihrer Arbeitsgruppe für die tägliche Arbeit mit.
Federführend verantwortlich für die Treffen, die seit sechs Jahren stattfinden, ist die Fachberaterin Deutsch der Sächsischen Bildungsagentur Bautzen für Gymnasien, Angela Potowski. Für sie sind die Veranstaltungen ein „Gremium, um miteinander ins Gespräch zu kommen“ und sie freut sich über dessen große Resonanz. Kathrin Bartholomäus weist auf den besonderen Stellenwert hin, den die Workshops für die Grundschullehrer haben und lobt „die gewachsene Zusammenarbeit, die ein Reden auf gleicher Ebene ermöglicht.“ Kein Wunder also, dass diese nächstes Jahr in gleicher Weise fortgesetzt wird.

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