Böhmen in der Lausitz, Vortrag Dr. Marius Winzeler

Erstellt: Freitag, 10. Juni 2011 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014 Geschrieben von Martin Schmidt

Entdeckungen in bekannter Landschaft

Noch vorhandene Pflastersteige auf den alten Handelwegen in der Nähe von Zittau Seinen Vortrag „Böhmen in der Lausitz“ im Hoyerswerdaer Kunstverein leitete der Direktor der Zittauer Museen, Dr. Marius Winzeler am Donnerstagabend im Schloss Hoyerswerda mit Bildern jener Straßen ein, die seit Jahrhunderten über das Zittauer Gebirge von und nach Böhmen führen. Waldreiche Gegenden begleiten sie düster, anheimelnd still, einst steinig schmal, stufenreich, von Burgen bewacht, zeitweilig auch von Raubrittern bedroht – bis der Sechsstädtebund ihnen wehrte -, schnur- gerade, mit guter Fahrbahndecke dienen sie heute dem Austausch von Ost nach West, dem Handel von Nord nach Süd, und umgekehrt.
Brachten die einen Salz, Gewebe nach Böhmen, transportieren andere Glas, Handwerkskunst, Bilder, auch Altäre nach Nord und West. In den Blatt aus der Manessischen Liederhandschrift, vorhanden im Kloster Marienstern Lausitzen bildete den Umschlagplatz, hier trafen sich Handelstraßen, wurden aber auch Ideen, Wissen neue Erkenntnisse, Bücher, Handschriften ausgetauscht, hier wurde in vielerlei Zungen gesprochen. Marius Winzeler, einer der bewunderten Gesprächspartner der Hoyerswerdaer Kunst- und Geschichtsfreunde, wanderte anhand aussagekräftiger Bilder von Zeugnissen höchste Kunstfertigkeit zu denen einstigen Reichtums, von Brakteaten und Münzen uralter Zeichnungen – geprägt in Bautzen und Görlitz für die nördlichen Herren, und in Zittau für Böhmen. Sie beweisen das Miteinander von Handel, Wandel, Denken und Leben dieser Regionen.
Kurzweilig wanderte der Kenner von Nord nach Süd, wusste in großen wie kleineren Lausitzer Städten Europas Völker und Künste zu entdecken. Er Wandmalerei in der St. Just-Kirche zu Kamenz teilte seine Freude an der Schönheit mittelalterlicher Glasfenster mit seinen Zuhörern, an gediegener, phantasievoller Buchmalerei, von farbenfrohen Wandgemälden in Kirchen, an Architektur, die die Handschrift des Prager Baumeisters Peter Parler und anderen Künstlern Prager Schulen aufweisen.
Der Kenner und Freund des Schönen und Hüter des Erhabenen schenkte seinen Zuhörern Einblicke in Geschichte und Kunst, ohne sie mit unzähligen Daten vergangener Geschichte, mit unbekannten Namen zu belasten, sondern setzte geschickt ausgewählt mit Kaiser Karl IV., seinem Vater Johann von Luxemburg, mit den berühmtesten Vertretern slawischer Herrscherhäuser Orientierungszeichen. Episoden gestalteten das Entdecken der Heimat vergnüglich, fördern späteres Erinnern.
Eine Ausstellung zu diesem Thema ist in Zittau vom 28.5. bis 31.10.2011 in den Städtischen Museen zu sehen.

Zugriffe: 2469