Liederabend mit Konstanze Niemz

Erstellt: Samstag, 28. Januar 2012 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014 Geschrieben von Martin Schmidt

Liebesgeständnis für Hoyerswerda

Konstanze Niemz

Das erste Gespräch am Kamin dieses Jahres gestaltete am Donnerstagabend im Hoyerswerdaer Kunstverein die junge Liedpoetin Konstanze Niemz. Locker, geschickt angeordnet folgten einander Prosatexte, Gedichte, heitere Sinnsprüche und Lieder - von der Autorin gefühlsvoll zur Gitarre gesungen . „Auf des Lebens langer Reise dreh‘n wir uns gar oft im Kreise“ begann die „Reiseführerin“ durch ihren Wohnort Knappenrode, da dieser zu wenig bekannt sei, fesselte ihre Zuhörer mit heiter erzählten Beobachtungen aus dem Alltag. Darin war von der großen Zahl Warnschilder vor Rutschungen in und um den Ort zu hören, machte aber neugierig auf diesen Ortsteil der Stadt. Kindheit und Schulzeit, wenn der Schulweg ein begehrtes “Abenteuer“ sein konnte, Beobachtungen in einst gemeinsamen Wäschekellern der Häuser „meine Leine, deine Leine, meine, deine, seine“ - gelegentlich zu „Clubkellern“ umfunktioniert - wurden erinnert. Mit kurz moderierenden Hinweisen, - WK VIII, Stadtzentrum oder WK VI – führte die Sängerin ohne Sentimentalität durch Hoyerswerdas Neustadt, ohne jeden Anflug von Nostalgie. In „Straße des Friedens“ beschrieb sie über den Wasserlachen des unbebauten und unbefestigten Zentrum- Platzes die Möwen, „ die Sehnsucht nach dem Meer wecken konnten“,. Doch auch das unartikulierte Gebrüll, die Molotowcocktails vom September 1991 wurden erinnert. Stellt sich hier eine junge Generation ehrlich den Ereignissen der Geschichte der Stadt, unsentimental, beschämt, doch voll betroffener Liebe zu ihrer Heimat und zu den Mitbürgern, die friedlich miteinander leben? Deren Beifall bestätigte die Sängerin und ihre Haltung.
“Manchmal begegnet man einem Engel, wenn man ihn nicht erwartet“, ließ Konstanze Niemz hören und wandte sich ihren selbst geschaffenen literarischen Personen zu: Der “Frosch“ lebt in prägnanten, geistreichen Sprüchen, in denen entfernt die „Palmström“-Gedichte von Joachim Ringelnatz, in den Reimen gelegentlich Verse von Wilhelm Busch anklingen, sind jedoch eigenwillige, ureigenste Schöpfungen der Hoyerswerdaer Liedpoetin. Mit dem „Frosch“, der klug, listig, verträumt, liebestrunken, ebenso nah wie fern vom alltäglichen Leben, gelang ihr eine Gestalt, die manchem Zeitgenossen einen Spiegel vorhält, in dem er lachend eigene Gewohnheiten entdecken kann. „Die Spaziergängerin“, die die Sonne genießt und den Mond liebt, ähnelt wiederum einem Selbstbildnis der Künstlerin, die an diesem Abend am Schlosskamin leise aber nachhaltig Herzen und Köpfe ihrer zahlreichen Zuhörer eroberte.

Mit freundlicher Genehmigung der Lausitzer Rundschau, Text wurde veröffentlicht am 28.01.2012.

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