Lausitzer Rundschau, Erich Busse über den Widerstand von Künstlern in der Hitlerzeit

Erstellt: Samstag, 04. Februar 2012 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014 Geschrieben von Martin Schmidt

Bildende Künstler mahnen

Der jüngste Vortragsabend im Hoyerswerdaer Kunstverein dieser Woche stellte eindrücklich das Spannungsfeld der Kunstentwicklung im 20. Jahrhundert vor. Der Referent Erich Busse aus Dresden sprach über den religiös motovierten Widerstand bildender Kunst gegen die Nazi-Diktatur und konfrontierte die Schar seiner treuen Zuhörer mit Bildern, die in jener finsteren Jahren allem Terror zum Trotz in Deutschland entstanden. Zu Georg Grosz „Kain und Hitler in der Hölle“, 1944 entstanden, fügten sich von John Heartfield „Millionen stehen hinter mir“, das die Finanzierung von Hitlers Aufstieg durch die Großindustrie zeigt , dasselbe Anliegen beherrscht „Deutsche Eichen“, Hitler gießt einen Eichbaum, an dem statt Eicheln Granaten, Stahlhelme, Waffen wachsen. „Künstler sind größere Propheten als Theologen“, räumte der Pfarrer ein. Bei dem Erfindungsreichtum zahlreicher Künstler, Otto Dix, Der Krieg, gemalt 1929 bis 1932 die in ihren Bildern biblischen Motiven folgten oder aus der Kunstgeschichte des christlichen Mittelalters aufnahmen, veränderten oder aktualisierten, wies er auf die ständige Lebensgefahr hin , in die sie sich begaben und die dennoch den Mut hatten, sie zu schaffen. Das betraf natürlich die Arbeiten von Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Otto Dix, der die eindrucksvollsten und immer noch bedrängendsten Anti-Kriegsbilder schuf. 
Die Holzschnitt-Zyklen zur Geschichte Jesu von Helmuth Muntschick, 1910 in Radeburg geboren und als 33jähriger im Krieg umgekommen, zeigen eine ähnlich streng mahnende Formsprache wie Skulpturen Ernst Barlachs. Ludwig Meidner, 1884 in Schlesien geboren, 1966 gestorben, begann bereits im und nach dem 1. Weltkrieg vor weiteren Kriegen zu warnen. Der eine lebte aus christlichem Denken, der andere in jüdischer Glaubenstradition Von beiden Künstlern sind nur wenige Bilder erhalten. Umso wichtige sei es immer wieder an sie zu erinnern, zumal deren Werke künstlerisch engagierter sind, als manche zeitgenössischen Werke.
Erich Busse konfrontierte seine Zuschauer auch mit Arbeiten jener Künstler, die dem Ungeist Hitlerzeit folgten. Lieblich kitschige Familienszenen, auf denen Mütter mit immer größer werdender Kinderschar gezeigt wurden, nackte Muskel strotzende Männer mit Schwertern in der Hand wurden verehrt. Krieg wurde ebenso verharmlost wie Morde an Mitmenschen anderer Rassen, Völker, Glaubensformen und Lebensweisen. Verständlich daher, dass Bilder von wanderden Völkern wie Sinti und Roma, die Otto Mueller (1874-1930) schuf, verpönt und verboten wurden. Der Vortrag stellte jene Epoche in ihrer ganzen Tragik, ihrer Verwirrung und Verführung vor und weckte daher Nachdenken über Umgang mit Kunst und Künstlern, die Erich Busse als Mahner und Seher in die Zukunft sah. Er versteht sich als Brückenbauer der Versöhnung, die das Kennen des Anderen, seiner Kunst und Geschichte für menschliches ehrliches Miteinander voraussetzt .
Mit freundlicher Genehmigung von Lausitzer Rundschau, 04.02.2012.

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