Lausitzer Rundschau zu Wolfgang Wache

Erstellt: Sonntag, 04. März 2012 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014 Geschrieben von Martin Schmidt

Wolfgang Wache „Mal etwas Neues trauen“

Was wären Begegnungen mit Kunst ohne Überraschungen? Wer Dichterinnen und Schriftsteller seit nahezu einem halben Jahrhundert zu seinen Gesprächspartnern und Freunden zählen darf, wie die Mitglieder des Hoyerswerdaer Kunstvereins, kann von Erstaunlichem, Beglückendem, Nachdenklichem und Heiterem zu erzählen. 
Am Donnerstag dieser Woche beglückte Wolfgang Wache, Schriftsteller aus Senftenberg, seine Zuhörerschar mit dem Hinweis:“Dies ist eine Buchpremiere“. Wenige Stunden vor der Lesung in der Reihe „Die Lausitz und ihre Dichter“ kam sein Buch „Es zerreißt mich“ aus der Druckerei. Die Nachricht begleiteten Yana Arlt und Susann Vogel mit Klängen auf afrikanischer Karimba, Trommeln verschiedener Bauart und Tonarten, mit Rasseln und Klangkörpern, einer einfallsreicher als der andere, und dann die Lesung: einfallsreich, bald fröhlich, bald melancholisch, erhöhten teils die Spannung, teils schenkten sie Pausen zum Nachklingen der Texte in Köpfen und Herzen, schufen anregende Atmosphäre.
Wolfgang Wache nahm die Literaturfreunde nicht nur auf Gedankenflügen mit, sondern ließ sie behutsam den Alltag beobachten, wie ihn der aufmerksame Wanderer durch Stadt, Bergbauregion, Familien und Freundeskreise erlebte.“Meine beste Freundin/ die Fantasie/ lustwandelt mit mir durch mein Vorhandensein. Ich mag sie/ ich vermute sie mich auch./ Aus meiner Beziehung zu ihr/ sind geblieben geplante und ungeplante Textgeburten“: Diese Selbstbetrachtung mit ihrem seinem Bekenntnis „immer noch/ ist meine/ literarische Fantasie/ in anderen Umständen/“ weckte Susann Lorenz und Yana Arlt v.l. manch Schmunzeln. Bedrängend wirkte dagegen die Begegnung mit einstigen Kollegen: „Er war sie los/ die Arbeit/ nun brauchte er/ nichts mehr tun/Er hatte es geschafft/ niemand braucht ihn mehr/ niemand braucht ihn/ er kann gehen ….er soll sich freuen/ er ist frei“. Aber wozu, fragt der Dichter Zuhörer und Leser.
Da wird die Einsamkeit als eine Erscheinung alternder Gesellschaften thematisiert, die vielleicht zu einseitig gelenktes tätig sein zum Lebens-Mittelpunkt erklären. Bei Wolfgang Wache folgt nicht Resignation, er verlockt, die Landschaft in ihrem steten Verändern zu entdecken, anderen Menschen zu begegnen, Gespräche zu suchen, teilnehmen an dem, was heute alles möglich ist, das frei sein zu eigenem Gestalten zu nutzen. In “Mal etwas Neues trauen“ erzählt er fast im Stakkato vom Gehen, Laufen, Irren, „ ein Menschenzugeher, der Träume verbreitet“, sei er, der seine Leser zum Erkennen ermutigt: “ein Weg entsteht/ wenn man ihn geht“ .
In diesem Sinne eröffnete die Premiere den Blick auf die Gegenwart, deren Aufgaben, zum Gespräch miteinander. Das erinnerte an einen Satz von Dr. Ralf Schröder, der in der vorigen Woche zu hören war: „echte Literatur ist ein Seismograph der Gesellschaft“. Diesem Weg wird der Freundeskreis der Künste und Literatur weiterhin folgen.



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