Sächsische Zeitung: Dresdener Schüler zum Reimann-Spaziergang und Dank des Gymnasiums.

Erstellt: Donnerstag, 03. Mai 2012 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014 Geschrieben von Katrin Demczenko

Dresdener Schüler entdecken Hoyerswerda

Zusammenarbeit von Vereinen und Einrichtungen macht`s möglich.
Eine Gruppe von Gymnasiasten der Klasse 10 ABI-BAC des Romain-Rolland-Gymnasiums Dresden besuchte für zwei Tage Hoyerswerda. Die Schüler werden gleichzeitig das deutsche und französische Abitur abzulegen und haben deshalb Geografie- und Geschichtsunterricht in französischer Sprache. Nach Hoyerswerda wurden sie von ihrem Französischlehrer Christian Raum und ihrer französischen Geografielehrerin Anne-Lise Dainat begleitet.
In Hoyerswerda beschäftigten sich die Jugendlichen mit der DDR-Architektur, der Stadtentwicklung und dem Alltag der Menschen im Sozialismus. „Die Schüler sollen den Kontrast zwischen Anspruch und Wirklichkeit erkennen“, erklärte Christian Raum. Die Raumanalyse Hoyerswerda, die sie erstellen, verbinde geografisches mit geschichtlichem, musikalischem und literarischem Wissen. Die Aufgabe erfordert selbstständiges Befragen von Zeitzeugen, Lesen von Quellen und das Ziehen eigener Schlussfolgerungen, schult also wissenschaftliches Arbeiten, so der Lehrer.
Da Christian Raum in Hoyerswerda aufgewachsen ist, war das Projekt seine Idee. Er nahm mit dem Hoyerswerdaer Kunstverein, dem Stadtmuseum, dem Foucault-Gymnasium und der Kulturfabrik Hoyerswerda Kontakt auf und organisierte mit ihnen die Studientage. In seinem Gymnasium musste er „aber größere Überzeugungsarbeit leisten, um diese andere Art von Unterricht durchführen zu können“. „Zur Vorbereitung lasen wir Brigitte Reimanns Roman „Franziska Linkerhand“ in Auszügen und sahen den Film der Wohnungsgenossenschaft über die Stadt“, erklärte Schülerin Ragna Heynowski.
Die Schüler mit Angela Potowski und Martin Schmidt zum Reimann-Spaziergang. Während des dicht gepackten Programmes lernten die Gymnasiasten die Autorin Brigitte Reimann auf dem gleichnamigen Spaziergang des Kunstvereines und in der Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte kennen. Der Vorsitzende des Kunstvereins, Martin Schmidt, erzählte aber auch von der Baugeschichte der Neustadt. Diese entwickelte sich von der traditionellen Ziegelbauweise über die Großblockfertigung bis zum Plattenbau, was die Errichtung der ersten Achtgeschosser an der Bautzener Allee ermöglichte. Im Museum machten sich die interessierten Gymnasiasten ein Bild vom Alltag in der DDR. Im Foucault-Gymnasium sprachen sie mit dem ehemaligen Leiter der Siebanlage Sabrodt, Wolfgang Scholz, der ihnen von seiner Arbeit im Gaskombinat Schwarze Pumpe erzählte. Die Hoyerswerdaer Architektin Dorit Baumeister informierte die Schüler bei einer Besichtigung des Wohnkomplexes (WK) 10 über den Rückbau der Stadt und zeigte Möglichkeiten für ihre weitere Entwicklung auf. Reinhard „Pfeffi“ Ständer stellte in der Kulturfabrik den 1998 verstorbenen Liedermacher Gerhard „Gundi“ Gundermann vor, der das Leben in Hoyerswerda über Jahrzehnte als Künstler reflektiert hatte.
Die Dresdener Lehrer und Schüler lernten Hoyerswerda jedenfalls aus verschiedenen Blickwinkeln kennen. Die französische Geografielehrerin Anne-Lise Dainat „war vom Charakter des WK1 mit den vierstöckigen Häusern überrascht“. Gymnasiastin Paulina Krebs erkannte, nachdem sie Fotos aus dem Hoyerswerda der 1960er Jahre gesehen hatte, dass „es erstaunlich ist, wie viel das Grün ausmacht.“ Sie fand auch gut, dass sich die Hoyerswerdaer positiv mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Eine Mitschülerin stellte fest: „Die Planung der Stadt war ja ok, aber die Umsetzung funktionierte nicht.“ „Es fehlten die Kulturstätten“, ergänzte Helene Holz, der auch „die krasse Zweiteilung in Alt- und Neustadt“ auffiel. Sie fand es im Vergleich zu Dresden „sehr still“. Die Schüler sahen im Tourismus und der Entwicklung des Lausitzer Seenlandes eine Chance für Hoyerswerda. Reinhard Ständer äußerte zu dieser Art der Wissensvermittlung, dass sie auch für andere Klassen interessant sein könnte und fand, dass „so etwas in Hoyerswerda installiert werden müsste“. 
Mit freundlicher Genehmighumg von Sächsischer Zeitung, Hoyerswerdaer Tageblatt.

Lieber Herr Schmidt,
ich möchte mich auf diesem Wege ganz herzlich für Ihren Brief bedanken, Ihre netten Zeilen und den Artikel. Ich habe mich sehr gefreut, dass Sie ebenfalls einen guten Eindruck von der Gruppe und vom Spaziergang hatten - für uns war es ein voller Erfolg! Es war erstaunlich zu sehen, wie die Dresdner Schüler zunehmend Feuer fingen für Hoyerswerda und seine Geschichte. Ich denke, wir haben es richtig gemacht - dank Ihrer Unterstützung war es ein Erlebnis auf hohem Niveau!
Den Artikel habe ich allen kopiert, so dass jeder eine Erinnerung hat. Ich könnte mir vorstellen, das Projekt spätestens in 2 Jahren zu wiederholen, wenn ich wieder - aller Voraussicht nach - eine 10. Klasse habe.
Die Rechnung habe ich an das Schulverwaltungsamt weitergeleitet, das sie im Rahmen des Förderantrags zum dt.-frz Doppelabitur begleichen wird. Bitte entschuldigen Sie, wenn es aufgrund der Bürokratie evtl. zu einer Verzögerung kommt.
Viele Grüße an Ihre Mitarbeiter und vor allem Ihre Frau!
Mit freundlichen Grüßen,
Kristian Raum

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