Fürst Pückler ein Wandelstern im Kosmos der Frauen - Teil II

Erstellt: Dienstag, 11. Juni 2013 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014 Geschrieben von Martin Schmidt

Fürst Pückler ein Wandelstern im Kosmos der Frauen - Teil II

Christian Friedrich und Volkmar Herold, v.l. In der mehr als ein Jahrzehnt währenden, äußerst anregenden Zusammenarbeit mit der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Branitz bot der jüngste Vortragabend ein Meisterstück. Die Historiker der Stiftung Volkmar Herold und Christian Friedrich stellten innerhalb des Thema „Fürst Pückler – Wandelstern im Kosmos der Frauen“ zum zweiten Mal drei Frauen vor, die im Leben des ruhelosen Fürsten besondere Bedeutung hatten: Clementine Gräfin von Pückler-Muskau, die Mutter des Fürsten, Machbuba, die der Reisende seine „schwarze Perle“ nannte und Ludmilla Assing, seine erste Biographin. Zahlreich war der „Kosmos der Frauen“, in dem Fürst Pückler mit Vergnügen wandelte. Mit vielen Damen tauschte er Briefe, besuchte sie, beriet sie beim Anlegen von Parks, ging mit ihnen in Konzerte, zu Soireen, ins Theater oder spazieren , unternahm Ausflüge wie mit der Schauspielerin Henriette Sontag in London. Pückler war, wie Goethe sagte, der es wissen musste, „ ein Cavalier von Kopf und Herz ist überall gern gesehen“. Bis in sein hohes Alter eroberte der Fürst die Herzen jüngerer Frauen. Sein Charme, sein Wissen und sein weltmännische Haltung waren offensichtlich unwiderstehlich. Nach dieser eleganten Verneigung vor dem Geschlechtspartner stellten die beiden Forscher die drei Frauen konzentriert, sachlich aber so lebendig vor, als wären sie ihnen begegnet. Die Freude daran teilte sich den Besuchern mit , die mit wachsender Spannung zuhörten. Da wurden keine Klatschgeschichten mitgeteilt, sondern sachlich, anhand von Briefen und bezeugten Unterlagen jeweils die Lebenswege, Interessen der Damen und ihre besondere Verbindung mit dem ruhelos Reisenden mit Bildern und Zitaten vorgestellt. Die Mutter Clementine von Pückler-Muskau gebar als Fünfzehnjährige ihren Sohn Hermann, behandelte ihn lange Zeit wie eine Puppe, ließ ihn in Pensionen und bekannten Schulen beispielsweise der Herrnhuter Brüdergemeine erziehen und ausbilden. Mutter und Sohn gingen jeder seinen Weg, sie begegneten sich selten. Sie liebte mehr die französische Lebensart ihrer Vorfahren und vermittelte diese auch ihrem Sohn. Von dort rührte seine besondere Liebe zu Frankreich, zu der er sich zeitlebens bekannte. Geheimnisumwittert war von Anfang an und ist es immer noch Machbuba, die der Fürst auf einem Sklavenmarkt in Kairo kaufte und die mit ihm durch Europa nach Muskau zog. Er gab sie als seine Pflegetochter aus, als abessinische Prinzessin, sie war ihm Reisegefährtin und Geliebte. In Muskau wurde das Verhältnis zu der „Schnucke“, der geschiedenen Frau des Fürsten. schwierig, zumal die junge Schöne an TBC erkrankte und bald darauf starb. Die Historiker schlossen aus Dokumenten, dass der Fürst sie wirklich geliebt habe, jedoch seine Verbindung mit den Sitten seiner Zeit kollidierte. Die Vortragenden warben um Verständnis und um Achtung , da weder damals noch heute das Miteinander zweier Menschen nicht auf den Markt gehöre, sondern ureigenste Sache der Herzen sei. Ludmilla Assing, die aus der Familie der Varnhagen von Ense stammte, erreichte früh das Vertrauen Der junge Pückler, Machbuba, die Mutter Clementine von Pückler und Lidmilla Assing. der Fürsten, der ihr seine Tagebücher und viele Dokumente seines Lebens anvertraute. Sie schuf die erste Biographie des Fürsten, die bis heute für die Forschung wichtig ist. Ludmilla Assing schöpfte zahlreiche Aussagen aus Gesprächen mit dem Fürsten und aus der Kenntnis seiner Briefe. Sie war ihm eine gute Sachwalterin. Das Vertrauen Pücklers wurde nicht enttäuscht, Ludmilla Assing schuf damit einen Fundus für die Forschung zu Fürst Pückler und seiner Zeit, der bis heute seine Aussagekraft bewahrt. Natürlich flochten sich zwischen der jungen Frau und dem Kavalier zarte Bande. Zuneigung sei zu erkennen, aber noch mehr Hochachtung und Verehrung, sagten die Kenner. Ohne solche innere Verbindung sei das Riesenwerk nicht zu bewältigen gewesen. Ludmilla Assing vertrat die geistige Atmosphäre und den Freisinn ihres Onkels Varnhagen von Ense. Sie verkehrte mit Bettina von Arnim, den russischen Revolutionären Bakunin und Herzen und mit Ferdinand Lassalle. Sie lebte in Florenz und nahm am geistigen Aufbruch des 19. Jahrhunderts lebhaft teil. Dort starb sie. Ihre Zuneigung zum Fürsten, dem Kavalier der Herzen, bewahrte wichtige Zeugnisse zu den geistigen Strömungen jenes Jahrhunderts der Entdecker und Erfinder. Trotz bewundernswerter Konzentration des Vortrags, die den Rednern wie ihren Zuhören großen geistigen Spaß und unzählige Anregungen vermittelte, erlebten alle einen kurzweiligen Abend, der auf nächste Begegnungen, z.B. zu Bettina von Arnim, und Fürst Pückler schauen ließ. Dies alles spielt nicht in der Ferne, sondern in den Lausitzen. Diesen Reichtum an Wissen und Weisheit schöpfen wir bei weitem noch nicht aus. 
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