Fürst Pückler und seine Parks in den Lausitzen

Erstellt: Sonntag, 18. Mai 2014 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014 Geschrieben von Martin Schmidt

Der „Grüne Fürst“ und seine Werke in den Lausitzen

Christian Friedrich und Volkmar Herold v.l. Zur sich derzeit vollziehenden Umgestaltung der lausitzer Landschaft  gehören  auch die vielbewunderten Parks, die Hermann Fürst von Pückler-Muskau im 19. Jahrhundert schuf. Am Donnerstag vergangener Woche stellten die Historiker der Stiftung Fürst-Pückler Museum, Schloss und Park Branitz, Volkmar Herold und Christian Friedrich, im Kunstverein Hoyerswerda den Namensgeber in seiner Lebensleidenschaft als Landschaftgärtner vor. Früh, bereits als Zehnjähriger in der Schule in Niesky, habe sich gute Beobachtungsgabe und lebhaftes Interesse an der Natur gezeigt. Johann Wolfgang von Goethe, auf dessen Anregungen der Ilmpark in Weimar zurückgeht, riet dem Jüngeren im Gespräch, seiner besonderen Begabung zu Park- und Landschaftsgestaltung zu folgen.                                                         
Ehe der junge Standesherr sich jedoch in Muskau niederließ, teilte er in einem Schreiben öffentlich den Bürgern mit, dass er beachsichtige, in Muskau einen Park zu schaffen und sie bitte, ihm notwendige Ländereien zu verkaufen. Als ihm dieses zugesagt wurde, begann er 1815 den selbsterdachten Park zu gestalten, konzipierte als erstes Wege und Brücken als Kernstücke der Anlage, veranlasste das Umpflanzen großer Bäume und legte häufig selbst Hand mit an. Die günstige Lange  seines Besitzes im Tal beiderseits der Neiße zwischen zwei sanften Höhenzügen nutzte er, um Sichtachsen zwischen Schloss und Denkmal, Baum- und Sitzgruppen zum Ruhen, Blumenbeete, Wiesen und seltene Bäume so anzuordnen, dass sich Besucher wie in freier Natur fühlen können. Menschenhand sollte nicht erkennbar werden, hatte der „Parkomane“ gewünscht. Seien Ideen hielt er 1834 in dem Buch „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ fest, das heute noch – so die Historiker – in Fachkreisen wie eine „Bibel“ der Landschaftsarchitektur geachtet und benutzt würde.                                                                                               
Die Vortragenden führten ihre Zuhörer mit Bildern sowie Texten Pücklers  von Muskau nach Neuhardenberg, Babelsberg, zu mehreren Garten-Anlagen in Thüringen, bei deren Gestaltung  Pückler Hand angelegt hatte. Sein  „Meisterstück“ sei jedoch – ohne Abstriche an der Originalität der anderen Schöpfungen Pücklers auch nur anzudeuten - der Branitzer Park bei Cottbus. Der Fürst und seine Frau Lucie, seine „Schnucke“, die wesentlich an der Gestaltung und Vollendung beider Parks in der Lausitz beteiligt ist, zumal Pückler häufig verreiste. Beide waren, als sie die Arbeiten in Branitz begannen, bereits 60 bzw. 69 Jahren alt. Ihr Werk vollendeten sie dennoch. Heute zeige sich die Anlage in der einst von beiden erdachten Gestalt. Neun bis 1990 „verlorene Orten“ –  darunter das Pücklersche Erbbegräbnis; das Rondell um die Büste für Freiherr Karl August von Hardenberg, den preußischen Staatskanzler und Schwiegervater des Fürsten; das Grab von Adschame, Pücklers Lieblingspferd; die Spiegelnde Glaskugel; die Wolfsschlucht und anderes mehr – sind bereits wieder zu betrachten, wie mit bescheidenem Stolz berichtet wurde. Das Rondell mit der Büste des Freiherrn Karl August von Hardenberg Nachbau des Pflanzwagens, den Pückler für das Umsetzen großer Bäume entwickelt hatte Interesse an dem “Grünen Fürsten“ und seinem Werk wachse beständig, wobei die beiden Parks in den Lausitzen – Branitz und Muskau – jeder mit eigenem Charme Meisterschaft, Einfühlung in Landschaft wie Natur und liebevoll sachkundige Pflege.                                              
Das anschließende Gespräch vertiefte manche Aspekte zur Erhaltung der Parks, zum Heranziehen artgerechter, größerer Bäume zum Nachpflanzen in Alleen und Baumgruppen. Auch für neuen wilden Wein auf der Seepyramide werde dank einer Baumschule in Hoyerswerda gesorgt, damit im Herbst das leuchtende Rot wieder die Blicke anziehe. Eine „Baumakademie“ in Branitz diene gleichem Zweck. Es gälte dieses einmalige Erbe in den Lausitzen auch  zukünftigen Generationen zu erhalten.                                                                                                              
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