Ehrendes Gedenken an Waltraut Skoddow

Erstellt: Freitag, 03. Oktober 2014 Zuletzt aktualisiert: Freitag, 03. Oktober 2014 Geschrieben von Uwe Jordan

Das letzte Buch blieb unvollendet

Ehrendes Gedenken an die Hoyerswerdaer Schriftstellerin Waltraut Skoddow (1942-2014)

Waltraud Skoddow signiert ihre Bücher nach eine Lesung in Schwarze Pumpe 2012 Sie hat Hoyerswerda eine Stimme gegeben. Ein Gesicht. Einen Namen. Sie hat Hoyerswerdaer und Lausitzer Geschichte aufbewahrt. Hoyerswerdaer und Lausitzer Geschichten geschrieben, die bei den Lesern die freundliche Stadt Hoyerswerda haben aufscheinen lassen. Ein Hoyerswerda, sympathisch, bescheiden, humorvoll, wissend und feinfühlig, wie sie selbst es war.
Alle diese Eigenschaften gab sie ihren Büchern, ihren Figuren mit. Wer erinnert sich nicht der Zimmervermieterin Paula Paschotka, die als Kolumnistin des Hoyerswerdaer Tageblattes Alltäglichkeiten des Lebens beschrieb? Kleine Perlen, auf die sich eine treue Leserschaft Woche für Woche freute. Perlen, die zur Kette, zum Buch geworden, als „Lausitzer Kram“ in keiner heimatlichen Büchersammlung fehlen.
Wer erinnert sich nicht der abenteuerlichen Historie von „Prinz Friedrich August von Sachsen – genannt Lehmann“, dessen Leben in Hoyerswerda und Spremberg sie dem Vergessen entriss? Ihres „Lessing“, Standardwerk biografischer Annäherung an den großen Lausitzer? Aber nicht nur die leichten Themen waren ihr Metier: Aus eigenem Erfahren und Erleben schilderte sie, wie Ausgrenzung und Bedrückung einen Menschen zu vernichten suchen. Dagegen schrieb sie an: „Zu keinem ein Wort“ und „Das überleben Sie nicht!“.
Und dann ist da ihr Lebens-Roman, dessen Vierteljahrhundert-Irrungen bis zur Drucklegung eine eigene Meister-Novelle wert wären: „Blauer Himmel über Thessalien“. Ein Roman, der einer historischen Gestalt nach Jahrtausenden der Ächtung Gerechtigkeit verschafft: Medea.
Der „Blaue Himmel“ und der „Lausitzer Kram“ waren ihre letzten großen Veröffentlichungen: eine fast philosophische Betrachtung zu Grundsatz-Fragen menschlichen Seins hie; mit leichter Hand getupfte Heiterkeiten des Hier und Heute da. Zwei Facetten, die sie in Werk und Leben trefflich zu verbinden verstand.
Ihre Freunde hofften auf Neues; Geplantes und schon Begonnenes. Doch die Krankheit nahm ihr die Möglichkeit, zu vollenden, was noch im Werden war. Am 28. September setzte der Tod einen harten Schlusspunkt mitten in das gerade noch geschrieben werdende Kapitel.
Waltraut Skoddow wird sehr fehlen. Wir verneigen uns in Achtung und Trauer. Unser tiefes Mitgefühl gilt ihrer Familie.

Mit freundlicher Genehmigung von Sächsische Zeitung, Hoyerswerdaer Tageblatt.

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