Beitrag des Hoyerswerdaer Kunstvereins zum Tag des offenen Hofes bei der Kinder- und Jugendfarm 2018

Erstellt: Sonntag, 03. Juni 2018 Zuletzt aktualisiert: Montag, 11. Juni 2018 Geschrieben von Christine Neudeck

Als Hoyerswerda noch klein war

Beitrag des Hoyerswerdaer Kunstvereins zum Tag des offenen Hofes bei der Kinder- und Jugendfarm 2018

Helene Schmidt liest Geschichten von Elsbeth Zschiedrich, 2018 In diesem Jahr stand der jährliche Tag des offenen Hofes bei der Kinder und Jugendfarm ganz unter dem Zeichen von Stadtkindertag im Zoo und Alt-Stadtfest anlässlich der 750 Jahr-Feier der Stadt Hoyerswerda.
Der offene Hof mit einem Angebot regionaler landwirtschaftlicher Produkte und Tiervorstellungen hatte etwas vom Flair der Stadt Hoyerswerda, wie man sie sich vor mehr als hundert Jahren vorstellen könnte, als es viele kleine Handwerker in der Stadt gab, die oft selbst ein Stück Ackerland besaßen oder die landwirtshaftlichen Produkte direkt vom Bauern auf dem Wochenmarkt kauften.
Als Beitrag des Hoyerswerda Kunstvereins wurden deshalb Texte gelesen, die von einer Zeit berichten, als Hoyerswerda 3500 Einwohner hatte, von einer Zeit, die schon von der beginnenden Industrialisierung geprägt war, das kleinstädtische Flair aber bewahrt hatte, am Ende des 19. Jahrhunderts.
Helene Schmidt und Angela Potowski lasen Texte von Elsbeth Zschiedrich: "Etwas über mein Ich" -  Erinnerungen aus meiner Jugendzeit, ergänzt durch die Erzählungen meines Vaters, Alt-Hoyerswerda etwa 1885-1900. 
Elsbeth Zschiedrich wurde 1879 als Tochter des Mühlenbesitzers Otto Zschiedrich geboren, in vielen kleine Texten schrieb sie auf, was sie als Jugendliche in ihrer Stadt als aufmerksame Beobachterin wahr genommen hatte, was sie aus Erzählungen kannte und was ihr durch das Elternhaus an Wissen und Familiensinn vermittelt worden war. Ein Sittenbild unserer Stadt zur Jahrhundertwende 1900, eine Quelle an "lebendigem" Wissen für Alteingesessene und Zugezogene.
Angela Potowski liest am Tag des offenen Hofes auf der Kinder- und Jugendfarm Hoyerswerda Zu hören ist vom Leben in und an der Mühle des Vaters. Die Mühle war eine Sächsisch-Kurfürstliche Mühle seit 1640, an einem Arm der Schwarzen Elster, am heute noch vorhandenen Mühlengraben gelegen und somit vom Wasserstand der Elster abhängig. Der Vater, Otto Zschiedrich, musste diese von seinem Großvater übernehmen, musste 1864 und 1866 in den Krieg ziehen, kam zurück und baute nach einer Reihe von trockenen Jahren die Wassermühle auf Dampfbetrieb um. Er baut später noch ein Mahlwerk für Hirse dazu und wird zu einem wohlhabenden und einflussreichen Bürger der Stadt.
Das Schloss beschreibt Else Zschiedrich aus der Zeit, als es ein Jagdschloss August des Starken war und aus der Zeit der Teschen, mit Park und Teich und noch immer vorhandenen wunderschönen Lindenalleen mit einer Ruhebank aus Stein. Es soll auch ein unterirdischer Gang zwischen Schloss und Kirche existiert haben, was heute als unwahrscheinlich gilt. Ebenso erzählt sie die Geschichte der heutigen Johanneskirche, die zu ihrer Zeit einen neugotischen Turmabschluss hatte und deren Glockenklang zu den schönsten Deutschland gehört haben soll. 1917 wurden die Glocken zerschlagen, "um dem Vaterland zu dienen". Noch viele interessante Geschichten von Kirche, Markt und Schule hat sie aufgeschrieben und auch Kurioses über die "Originale" der Stadt.
Das Buch, in dem die Erzählungen der Elsbeth Zschiedrich nachgelesen werden können und viele weitere dazu, die unsere Stadt und Region betreffen, ist erhältlich bei der Stadtinformation und im Schlossmuseum. Der Titel lautet: Hoyerswerda - Geschichten und Geschichte aus Dörfern und Städten, herausgegeben im September 1992 von Karl-Heinz Hempel, Sigrun Jeck, Ursula Miethe, Martin Schmidt, Friedhart Vogel und Adelheid Wittek.

Tag des offenen Hofes auf der Kinder- und Jugendfarm Hoyerswerda mit Lesungen vom Hoyerswerdaer Kunstverein

 

 

 

 

 

 

 

  

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