Lesung und Gespräch zu Nicolás Gómez Dávila (1913-1994) mit Uwe Jordan

Erstellt: Donnerstag, 22. November 2018 Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 28. November 2018 Geschrieben von Christine Neudeck

Nicolás Gómez Dávila - ein Schriftsteller aus Kolumbien, dessen Namen man sich merken sollte

Lesung und Gespräch zu Nicolás Gómez Dávila (1913-1994) mit Uwe Jordan

Uwe Jordan liest beim Hoyerswerdaer Kunstverein Bücher von Nicolás Gómez Dávila, vorgestellt beim Hoyerswerdaer Kunstverein von Uwe Jordan Lesungen von Uwe Jordan beim Hoyerswerdaer Kunstverein folgen seinem ganz persönlichen Anliegen, es kommen Schriftsteller zu Wort, von denen man nie gehört hat oder solche, die man zwar kennt, aber lange nicht gelesen hat. Alle sind für die Zuhörer immer erstaunlich aktuell, in welchem Jahrhundert sie auch wirkten.
Nicolás Gómez Dávila ist Schriftsteller und Philosoph, er lebte und arbeitete in Bogota, der Hauptstadt Kolumbiens. Die Eltern bevorzugten für ihn im sechsten Lebensjahr eine Ausbildung in Paris, mit 23 Jahren kehrte er nach Kolumbien zurück, heiratete, lehnte alle öffentlichen Ämter ab und konnte sich der Muße des Schreibens widmen, ohne materielle Zwänge.
Er bezeichnete sich in seinem Jahrhundert, das von Revolutionen, Bürgerkriegen und Weltkriegen beherrscht wurde, als Reaktionär. Im ersten Moment klingt das befremdlich, doch nach dem Lesen bzw. Hören seiner Bücher, wie "Notas- Unzeitgemäße Gedanken", "Aufzeichnungen des Besiegten", "Auf verlorenem Posten" oder "Scholien" (im Deutschen als Aphorismen bezeichnet), folgt man seinen Weisheiten interessiert und gern. Man tut das, was Dávila dem Leser abverlangt, man denkt sich zu den kurzen Sätzen den inbegriffenen Text dazu.
Uwe Jordan beginnt seine Lesung mit einem Ausspruch Dávilas über sich selbst: "Ein großer Schriftsteller taucht die Feder, die er dem Flügel eines Erzengels entrissen hat, in höllische Tinte." Die Ergebnisse dieses Schreibens sind leuchtende Gedankenblitze, die sich zu Hauf auf jeder Seite des Werkes von Dávila finden. Lesen im Sinne von Vorlesen ist deshalb kaum möglich, denn man muss alles mehrmals lesen und höllisch sind die Texte allemal, da " die Hölle der Ort ist, an dem der Mensch alle seine Vorhaben verwirklicht findet". Es sind die Vorhaben, die den Fortschritt wie eine Gottesgabe preisen, die die Entfaltung der Persönlichkeit menschlichem Gemeinsinn vorziehen oder die im Namen von Freiheit, Menschheit oder Recht eine dämliche patriotische Gesinnung verteidigen. Denn nur der führt sein Leben wirklich, der es beobachtet und denkt, die übrigen treibt das Leben vor sich her.
"Reaktionär sein heißt verstehen, dass der Mensch ein Problem ist, für das es keine menschliche Lösung gibt." Man kann diesen Gedanken noch unzählig weitere aus seinen Büchern hinzufügen und wird am Ende überzeugt sein, dass der Reaktionär im Sinn von Nicolás Gómez Dávila nicht der unverbesserliche Rückschrittler ist, aber einer, der mit höllischer Tinte unbedacht Vergessenes wieder in Erinnerung bringt. Für ihn besteht der moderne Irrtum nicht in der These vom toten Gott, sondern im Glauben, dass der Teufel tot sei. Diesen Thesen folgt selbst sein Landsmann, der kolumbianische Schriftsteller Gabriel José García Márquez: "Wenn ich kein Kommunist wäre, dann dächte ich vollständig so wie Nicolás Gómez Dávila."
Uwe Jordan ist es gelungen, das Interesse für diesen "Reaktionär" zu wecken und wir sollten im Sinne von Nicolás Gómez Dávila lesen, um zu entdecken, was wir ewig wiederlesen würden, die "Scholien" dieses Dichters könnten dazu gehören.

 

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