"Konzert Fernweh V" - Sorbische und deutsche Dichtung, von deutschen und sorbischen Komponisten vertont.

Erstellt: Samstag, 06. April 2019 Zuletzt aktualisiert: Dienstag, 09. April 2019 Geschrieben von Christine Neudeck

Musik im neuen Gewand, von Uraufführung bis "nur selten" gespielt

Eine Konzertreihe des Sächsischen Musikbundes mit dem Titel "Fernweh V": Sorbische und deutsche Dichtung, von deutschen und sorbischen Komponisten vertont.

Christian F.P. Kram beim Konzert "Fernweh V" in Hoyerswerda Konzert Fernweh V, Malte Hübner, Claudia Wolf, Waldemar Wild, von links. Jan Cyž, beim Konzert "Fernweh V" in Hoyerswerda Musik ist grenz- und sprachüberschreitend. Das wurde bei dem kleinen, aber feinen Konzert des Sächsischen Musikbundes in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Sorbischen Nationalensemble Bautzen, der Stadtbibliothek Leipzig, dem Verein für Neue Musik in Mecklenburg-Vorpommern und dem Hoyerswerdaer Kunstvereins "klangvoll" deutlich.
Es ist den Komponisten und Interpreten gleichermaßen unwichtig, ob einer aus Ost oder West kommt und ob er die deutsche oder die sorbische Sprache bevorzugt. Es ist eine Welt voll undendlicher Melodien, wozu auch die verschiedenen Sprachmelodien gehören. So wurden Gedichte von Róža Domašcyna, geschrieben in sorbischer und deutscher Sprache, von Juro Metšk vertont, von Malte Hübner, von Birger Petersen gemeinsam mit Andreas Pieper und von Jan Cyž. Die Musik folgt den Texten sehr sensibel, frühe Gedichte erklingen sehr berührend kindlich und melodisch, spätere eher nachdenklich und mahnend: wo die Musik wie das Meer gerinnt und erstarrt wie die Vögel im Flug oder die Tage verborgen bleiben im Nebel.
Mit Kompositionen zu Liedern von Mina Witkojc erinnerte das fünfte Fernweh-Projekt an den im Jahr 2018 verstorbenen Komponisten Detlef Kobjela. Sehnsüchtig blickt die Dichterin auf Meer und warme Gefilde und so empfindet der Zuhörer auch die Musik .
Alle Lieder werden von Professor Waldemar Wild in einem warmen Bass-Bariton vorgetragen, der besonders dem Sprachrhythmus der sorbischen Texte sehr entgegen kommt.
Der Komponist Christian F.P. Kram, der Organisator der Fernweh-Projekte, war mit einem "Requiem für einen viel zu früh verstorbenen Freund" in einer Klavierfassung zu hören, die mit sehr ungewöhnlichen Klavierpassagen an den Kampf mit dem Krebstod erinnert, aber gleichzeitig "ein klingendes Gedächtnis" bleibt, für den Freund.
Malte Hübner, Violinist und Komponist, ist ebenfalls seit vielen Jahren einer der Initiatoren dieser Konzertreihe, neben Gedichten von Róža Domašcyna, ist es Lyrik von Kerstin Preiwuß, die er vertonte. Und Jan Cyž widmete ihm ein Violinkonzert, das er ebenfalls vorträgt und das mit den Tönen D+G endet - "Deo gratias", was man auch als Dank für das Gottesgeschenk der Musik deuten könnte.
Am Klavier begeisterte Claudia Wolf, die den unterschiedlichsten "modernen" Kompositionen sehr sensibel folgte, zumal die neuere Musik höchste Konzentration und perfektes Können erfordert, dem sich nicht viele Interpreten stellen. Ein besonderer Dank deshalb an sie, auch für die punktgenaue Begleitung des Liedes "Cyklen", gemeinsam mit Malte Hübner, nach einem Text von Róža Domašcyna, den Jan Cyž vertonte. Waldemar Wild "zelebriert" den Text, Klavier und Violine begleiten feinfühlig, die innewohnende heitere Sprachmelodie wird nicht gestört, eher wohltuend verstärkt. Es geht um die Frage, wer ist prawowka und wowka, wer ist Uroma und Oma? Das Enkelkind ist wnutschka und sorbisch ist ja eigentlich wendisch.

 

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