Die Sinngedichte des jungen Lessing, vorgetragen von Birka Siwczyk und Dieter Fratzke

Erstellt: Donnerstag, 23. Mai 2019 Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 30. Mai 2019 Geschrieben von Christine Neudeck

Lessing vergnüglich und anregend

Collage zur Lesung "anakreontischer Verse" von Gotthold Ephraim Lessing Dieter Fratzke (ehemaliger Leiter des Lessing-Museums Kamenz) und Birka Siwczyk (Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption) gestalten einen Abend über Sinnsprüche von Gotthold-Ephraim Lessing (1729-1781) beim Hoyerswerdaer Kunstverein.

Der jugendliche Lessing verfasst Lyrik, die heute fast vergessen ist, vergessen über seinen Dramen und seinen kritischen weltanschaulichen und religionsphilosophischen Schriften. In gewisser Weise waren aber auch diese heiteren Gedichte, anakreontische Verse über Liebe, Wein und Lebenslust, eine "vergnügliche Aufklärung" über den gesellschaftlichen Zustand seiner Zeit. So verortet er sein Credo auf einen Leichenstein für eine würdige Privatperson: Er lebte schlecht und recht / Ohn Amt und Gnadengeld, und niemands Herr noch Knecht.
Dieter Fratzke und Birka Siwczyk tragen Lessings Verse heiter und gekonnt vor und freudig lässt sich das Publikum anregen. Die meisten dieser Sinngedichte, Lieder, Oden, Fabeln und heitere Erzählungen gibt Lessing unter dem Titel "Kleinigkeiten" im Jahr 1751 heraus, da ist er 22 Jahre alt, später betrachtete er diese Gedichte eher "mit Distanz und Ironie", weil sie doch sehr dem Zeitgeschmack huldigen, "mein Pult bewahrte sie, ich hatte sie vergessen".
Doch im Lessingmuseum Kamenz konnte man 1979, zum 250. Geburtstag von Gotthold Ephraim Lessing, berühmte Grafiker zur Illustration eben dieser anakreontischen Verse gewinnen, Prof. Werner Klemke und Wolfgang Würfel. Die Mappen waren schnell vergriffen, ein Teil davon ist in Heft 5 einer Schriftenreihe des Lessing-Museums nachgedruckt und noch heute erhältlich. So zu lesen und zu sehen: Trinket Brüder, lasst uns trinken /Bis wir berauscht zu Boden sinken / Doch bittet Gott, den Herren / Dass Könige nicht trinken. Denn da sie unberauscht / Die halbe Welt zerstören / Was würden sie nicht tun/ Wenn sie betrunken wären?
Lessing spricht in seinen Versen dem Wein besonders oft zu, es soll getrunken werden, denn, wenn die Erde bebt und das Haus schon sinkt, ist Eile geboten, den Wein hurtig auszutrinken. Und getrunken soll werden "der Weltweisheit zu Ehren". Nicht weniger ist es die Liebe zu den Frauen, noch häufiger Untreue und Gezänk der Frauen, die seinen Spott hervorrufen: Alles ging für mich verloren/Als ich Sylvien verlor /Du nur gingst nicht mit verloren / Liebe, da ich sie verlor!
Zahlreiche Verse sind im Dialog geschrieben, im Duett zwischen Birka Siwczyk und Dieter Fratzke wirken sie besonders amüsant: Stax zu Thrax: Eine taube Frau zu nehmen, das nenn ich dumm. Thrax: Ja freilich, Stax! Ich muss mich schämen. Doch sieh, ich hielt sie auch für stumm.
Ein Dichterleben lang musste Lessing harsche Kritik hinnehmen, er hat nicht geahnt, dass ihn die Nachwelt als "die zweifellos wichtigste Gestalt der deutschen Aufklärung" (Zitat Heinrich Mann) feiern würde. Sein "Ich" beschreibt er so: Die Ehre hat mich nie gefunden... Auch Schätze hab ich nie begehrt... Wie lange währt's, so bin ich hin und einer Nachwelt untern Füßen? Was braucht sie, wen sie tritt zu wissen? Weiß ich nur, wer ich bin.

Illustration von Werner Klemke zu einem Gedicht von Lessing: Faustin Illustration von Werner Klemke zu "Faustin"

Faustin, der ganze funfzehn Jahr
entfernt von Haus und Hof und Kindern war,
Ward, von dem Wucher reich gemacht,
Auf seinem Schiffe heimgebracht.

"Gott, strafe mich nicht meiner Sünden...
Lass, weil du gnädig bist, mich Tochter, Weib und Sohn
Gesund und fröhlich wiederfinden."

... Gott erhört den Sünder.
Er kam und fand sein Haus in Überfluss und Ruh.
Er fand sein Weib und seine beiden Kinder
Und - Segen Gottes! - zwei dazu.

Dieter Fratze liest Lessing Birka Siwczyk liest gemeinsam mit Dieter Fratzke aus Lessings Lyrik, 2019 beim Hoyerswerdaer Kunstverein

 

 

 

 

 

 

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