Erich Busse spricht zu Impulsen, Versagen und Perspektiven des Christentums in Europa

Erstellt: Dienstag, 02. Juli 2019 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 13. Juli 2019 Geschrieben von Christine Neudeck

Europa und das Christentum

Erich Busse, Pfarrer i.R. aus Dresden, zu Impulsen, Versagen und Perspektiven des Christentums in Europa

Erich Busse (Zweiter von links) ist als unermüdlicher Mahner zu Toleranz und Versöhnung unterwegs "Christentum in Europa" ist ein Thema, das Erich Busse als evangelischer Pfarrer und Prediger der Versöhnung , förmlich auf den Nägeln brennt. Den vielen geistigen, philosophischen und kulturellen Impulsen des Christentums seit vielen Jahrhunderten steht ein menschliches Versagen auf weiten Strecken gegenüber. Erich Busse engagiert sich deshalb schon seit Jahren für die deutsch-polnische Versöhnung und für die evangelisch-katholische Annäherung und wurde dafür in Polen mit dem Bruder-Albert-Orden ausgezeichnet.
In seinem Vortrag erörterte er die Wechselwirkungen von Kirche und Gesellschaft an Hand unzähliger Beispiele innerhalb Europas. Er untersuchte, wieweit das Goldene Kalb und die Gesetzestafeln des Moses aus dem Alten Testament der Bibel bis heute unseren Alltag bestimmen. Die ersten drei der 10 Gebote legen fest, wie sich der Mensch direkt zu Gott  verhalten soll, nicht vermittelt durch Papst oder Könige. Die anderen sieben geben Auskunft, wie Menschen miteinander leben sollen. Sie beinhalten so indirekt auch das Recht eines jeden, sich gegen die Obrigkeit zu schützen. Denn die Gebote gelten für alle gleich. Könige haben also kein Recht, sich selbst zu bereichern., sie haben kein Recht auf Machtmissbrauch, sie haben für Frieden im Land zu sorgen und haben Bedingungen zu schaffen, die die Existenz ihrer Bürger sichern, gleiche Bedingungen für alle.
Unter diesem Aspekt kommen bei Erich Busse unzählige Philosophen, Priester, Wissenschaftler und Soziologen zu Wort, die heute teilweise unbekannt sind, die aber das Denken des Abendlandes auf der Grundlage der biblischen Gebote maßgeblich prägten, Namen wie Francesco Petrarca, Philipp Melanchton, Luther, Immanuel Kant, Adam Mickiewicz, Bertha von Suttner, Fjodor Dostojewski, Max Weber, Rudolf Virchow, George Orwell, Dietrich Bonhoeffer, Edith Stein, Golo Mann, Václav Havel, Reinhold Schneider, Bronislaw Geremek und viele andere. 
Stellvertretend für die Genannten und für die Geisteshaltung von Erich Busse sei hier Bronislaw Geremek aus seinem Buch "Geschichte der Armut"- Elend und Barmherzigkeit in Europa- zitiert: Nicht erst die Kriege, sondern schon die Vorbereitung der Kriege bringt Hunger und Elend, Unterdrückung und Fluchtbewegungen mit sich... und vergiftet die Zukunft über Generationen. Deshalb fordert schon das Alte Testament : "Suchet den Frieden und jaget ihm nach". (Psalm 34)
Ein großes Thema von Erich Busse bildet auch das Versagen der Kirchen durch Schweigen, Dulden und durch aktive Unterstützung von Unrecht. Das "Stuttgarter Schuldbekenntnis" vom Oktober 1945 und das "Darmstädter Wort" von 1947 der Evangelischen Kirchen sind für Erich Busse zu ungenau formuliert: Es hätte heißen müssen, wir haben Christus verraten... wir haben geschwiegen, als die Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten abgeholt wurden... wir haben Unrecht getan, als wir die Glocken zu den Siegen Hitlers geläutet haben.
Beeindruckte Bilddokumente aus ganz Europa unterstützten den Vortag sehr berührend und trugen bei den Zuhörern dazu bei, heute im Christentum Perspektiven zu sehen, die das Zusammenleben von Menschen ohne Vorurteil und Ausgrenzung möglich machen.

Erich Busse belegt den Missbrauch von Macht und dessen Folge: Kriege mit Tod und Elend  George Orwell, aus einem Vortrag von Erich Busse über das Christentum in Europa.

 

 

 

 

 

 

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