Der Knabe Hüssein

Dr. Wolfgang Wessig beim Hoyerswerdaer Kunstverein, März 2015Dr. Wolfgang Wessig liest die Erzählung des Schriftstellers Armin T. Wegner zur Vertreibung der Armenier vor 100 Jahren
Seit 15 Jahren schenkt Dr. Wolfgang Wessig seinen Zuhörern mit „Grenzgängen“ Einblicke in die Literatur unserer Nachbarländer sowie in die Welt einst und jetzt. Am Donnerstag, 23. April 2015, um 17 Uhr erzählt und liest er im Schloss Hoyerswerda aus Berichten eines Zeitzeugen von der Vertreibung der Armenier aus dem Osmanischen Reich. Dabei erinnert er an den Schriftsteller Armin T. Wegner (1886-1978) vor, der in der ersten Hälfte des vorigen  Jahrhundert zu den bekanntesten und beliebtesten Autoren zählte – seine Bücher erreichten Auflagen bis zu 300 000 Stück. Armin T. Wegner wurde zu einem  der wichtigsten Zeugen der Vertreibung der Armenier vor 100 Jahren, während des ersten Weltkriegs, aus dem Osmanischen Reich. Er protestierte dagegen bei den Verantwortlichen und berichtete in seinen Erzählungen „Der Knabe Hüssein“ und „Die türkischen Novellen“.
Armin T. Wegner, ein promovierter Jurist, 1886 in Elberfeld (Wuppertal) geboren, arbeitete 1916 im ersten Weltkrieg als Sanitätsoffizier in Ost-Anatolien. Dort erlebte er die Vertreibung und Ermordung der Armenier durch die Türken. Seine Fotos sind bis heute der Beweis der damaligen Verbrechen. Seine Proteste bei der deutschen Regierung und beim Präsidenten der USA fanden kein Gehör. 1920 heiratete Wegner die Schriftstellerin Lola Landau. Er war ein Weltreisender,  seine Erlebnisse hielt er in Erzählungen und Berichten fest. „ Sein Werk ist ungeheuer vielschichtig und variantenreich.“(Volker Weidermann) Einen geplanten Roman über das Geschehen in Ost-Anatolien vollendete er nicht. 1933 machte Franz Werfels mit seinem Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ jene Ereignisse weltweit bekannt. 
Bereits im April 1933 protestierte Armin T. Wegner mit einem Brief an Adolf Hitler gegen die Judenverfolgungen der Nazis. Als Antwort wurde er von der Gestapo verhaftet, im Gefängnis gefoltert und ins KZ Oranienburg gefangen gehalten. Ende des Jahres entlassen, floh er über England und Palästina ins Exil in Italien. Lola Landau blieb in Palästina, Armin Wegner lebte in Positano, Rom und auf der Vulkaninsel Stromboli. 1978 starb er in Rom. In Israel wurde er 1968 in die Reihe der ‚Gerechten unter den Völkern‘ aufgenommen. 
Der Literaturkritiker Volker Weidermann, der die Werke Armin T. Wegners betreut, schrieb dazu: „..zeitlos sind seine ‚Türkische Novellen‘, die - inspiriert von seinen Erfahrungen in Anatolien – bis heute nichts von ihrer Spannung eingebüßt haben.“ Vortrag und Lesung von Wolfgang Wessig finden am Vorabend des Gedenktages an die Verfolgung der Armenier vor 100 Jahren statt. Die Veranstaltung wird von der Sächsischen Zentrale für politische Bildung unterstützt. Alle Interessenten sind herzlich willkommen.  Martin Schmidt



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