Die Schlösser am Dresdener Elbhang - ein Vortrag von Manfred Pilz

Erstellt: Donnerstag, 07. März 2019 Zuletzt aktualisiert: Freitag, 15. März 2019 Geschrieben von Christine Neudeck

Mitten in Dresden ein preußisches Ambiente

Ein Vortrag von Manfred Pilz, Dresden, zu den Schlössern am Dresdener Elbhang.

Manfred Pilz beim Hoyerswerdaer Kunstverein 2019 Der "Balkon" von Dresden, am rechten steilen Elbufer gelegen, bietet einen wunderbaren Ausblick auf das barocke Dresden. Es verwundet nur, dass die Schlösser, die diese Aussicht bieten, so gar nicht barock aussehen, sondern im reinsten klassizistischen Stil Preußens erbaut sind. Der Baumeister Karl Friedrich Schinkel und Potsdam lassen grüßen.
Wie es dazu kam, erzählt Manfred Pilz, Bauingenieur und "Freizeit- Historiker", aus Dresden. Bereits seit vielen Jahren gibt er sein Wissen zur Geschichte der Stadt Dresden, zu Zerstörung und Wiederaufbau beim Hoyerswerdaer Kunstverein weiter. Als junger Mann wohnte er selbst in Hoyerswerda und war als Statiker maßgeblich an der Berechnung der Hochhäuser in der Bautzener Allee beteiligt, die erstmals aus wandhohen Elementen errichtet werden sollten.
Den gesamten Elbhang in Dresden hatten zwei Hofbeamte erworben und nach dem 30-jährigen Krieg, etwa ab 1660 Weinbau betrieben, "Findlaters Weinberg" und das dazugehörige Palais wurden ein beliebtes Ausflugsziel. Das Palais wechselte öfter den Besitzer und sollte 1846 neu errichtet werden, aber nur der Abriss wurde realisiert, für den Neubau fehlte in den Wirren der 1848 er Revolution das Geld.
In Preußen sah das vermutlich anders aus, da konnte man für den jüngsten Sohn von König Wilhelm III. und Königin Luise, das zehnte Kind des Königspaares, für den Prinzen Albrecht von Preußen, ein Schloss bauen lassen, das an Pracht seines Gleichen sucht.
Warum aber in Dresden? Prinz Albrecht war mit einer Prinzessin aus den Niederlanden verheiratet, die Ehe wurde geschieden und er wollte in zweiter Ehe die Hofdame Rosalie von Rauch ehelichen, Heirat und Wohnen in Preußen kam nach einer Scheidung nicht in Frage. Der Bruder, Friedrich Wilhelm IV, der inzwischen König geworden war, gestattete eine Heirat in Thüringen und einen Hofstaat in Sachsen, der mehr als großzügig ausfiel. Schloss Albrechtsberg in Dresden Vermittelt hatte das Hofbeamtenehepaar von Stockhausen, da Ernestine von Stockhausen aus Dresden stammte. "Findlaters Weinberg" wurde von Preußen erworben, gewaltig in den Ausmaßen und entsprechend gewaltig fiel auch die Planung durch Adolf Lohse, einen Schüler Schinkels, für das "Schloss Albrechtsberg" und seine Gärten aus. Da der Berg zum großen Teil aus eizeitlichem Sand und nur wenig Granit besteht, gab es Probleme. 1000 Bergleute aus dem erzgebirgische n Silberbergbau sorgten für Entwässerung und Stabilisierung des Hangs und die geplanten Gebäude mussten reduziert werden. Eine schöner Nebeneffekt ist die große Fontäne am Fuß des Berges, die noch heute aus dem abfließenden Wasser der Dresdener Heide gespeist wird, der Höhenunterschied ersetzt somit eine Pumpe. Das Schloss wurde 1925 an die Stadt Dresden verkauft, nach dem Krieg 1945 wurde es hauptsächlich als Pionierpalast genutzt, seine prächtige Ausstattung blieb bis heute erhalten. Heute wird es kulturell genutzt.
Für das Ehepaar von Stockhausen wurde gleich nebenan die Villa Stockhausen errichtet, die nur wenig kleiner ausfiel, schon 1853 wurde diese von Prinz Albrecht vorübergehend bewohnt, bis er 1854 in sein Schloss einzog. 1906 kaufte Karl August Lingner, der "Odolkönig" die Villa und der Dresdner Architekt Wilhelm Kreis baute um, Änderungen in der Gartenlandschaft, Einbau einer großen Orgel, ein Aufzug für den Weinberg und vieles mehr. Lingner starb 1916, das Anwesen geriet in die Wirren der Weltkriege und der Nachkriegszeit. Von der ursprünglichen Bausubstanz und der Ausstattung im Jugendstil blieb nur wenig erhalten. Heute bemüht sich ein Förderverein um eine lebendige Nutzung im Sinne von Karl August Lingner, der in seinem Testament das Anwesen der Stadt Dresden mit der Auflage übereignet hatte: "Die gesamte Bevölkerung sollte die Schönheiten dieser herrlichen, in Europa einzigartigen Lage genießen können“. Weniger bekannt ist, dass Karl August Lingner schon 1900 das Schloss Tarrasp in Graubünden gekauft hatte, aufwendig hatte umbauen lassen, natürlich mit Orgel, moderner Heizung und modernen Bädern. Viele Eigentümer folgten bis heute.
Das dritte Schloss im Bunde, das Schloss Eckberg wurde ebenfalls auf "Findlaters Weinberg" für den Großkaufmann Souchay errichtet, vom Semper-Schüler Carl-Friedrich Arnold im klassizistischen Tudorstil, der auch irgendwie an Potsdam erinnert.
Mehrfach wechselten die Besitzer, einmal bewohnten auch der Süßwarenfabrikant Weiser und dessen Frau, die Schauspielerin Grete Weiser, das Schloss. 1925 kaufte der Zahnpasta-Hersteller Ottomar Heinsius von Mayenburg das Schloss. Die Schlossgärten aller Schlösser wurden unter der Leitung des preußischen Obergärtners Hermann Siegismund Neumann gestaltet. Am Schloss Eckberg entstand durch den Einfluss des von Mayenburg ein einmalig schönen Garten, der sich noch heute größter Bewunderung erfreut. Die Familie Mayenburg wurde 1952 enteignet. In der DDR war Schloss Eckberg Studentenwohnheim und Gewerkschaftsschule, ab 1985 Luxushotel. Nach der Wende erfolgte eine Rückübertragung an die Familie, die es an eine Hotelkette verkaufte, die auch heute ein Luxushotel betreibt.
Nach Aussage von Manfred Pilz ist längst noch nicht alles erzählt, Geschichte und Geschichten dieser wunderbaren Schlösser sollen am 13. April 2019 im Rahmen einer Exkursion vertieft werden. Anmelden bitte beim Vorstand des Hoyerswerader Kunstvereins, Telefonnummern und Adressen siehe Impressum.

Rosalie von Rauch Schloss Eckberg, Dresden

 

 

 

 

 

 

 

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