Das alte Hoyerswerda  Lesung des Hoyerswerdaer Kunstvereins im Rahmen des Projektes  „Boulevard Altstadt“

Erstellt: Donnerstag, 11. Juli 2019 Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 17. Juli 2019 Geschrieben von Martin Schmidt

Das alte Hoyerswerda - in den Geschichten noch immer jung 

Lesung im Rahmen des Projektes „Boulevard Altstadt“

"Boulevard Altstadt" - Lesung zum Thema "Das alte Hoyerswerda" mit Helene Schmidt und Angela Potowski Am Donnertag, dem 11.07. 2019, war im Projekt „Boulevard Altstadt“ zu einer Lesung des Hoyerswerdaer Kunstvereins in die Alte Post eingeladen worden. Nachdem eine viertel Stunde vor Beginn sämtliche verfügbaren Stühle zusammengetragen worden waren und immer noch mehr als dreißig Besucher auf der Straße standen und Einlass in den überfüllten Raum begehrten, ludt Fleischermeister Frank Sinapius in den Hof seines Hauses ein, wo genügend Holzstühle und –Bänke alle Interessenten eng zusammenrückend aufnahm. Angela Potowski und Helene Schmidt begannen mit ihrer Lesung „Das alte Hoyerswerda“ , während die Schwalben über ihren Köpfen ungestört eifrig ihre Jungen in der „ältesten Fleischerei Sachsens“ fütterten. Die beiden Vortragenden wählten das erste Heimatbuch nach 1925 „Hoyerswerda – Geschichten aus Dörfern und Städten“, das 1992 erschienen war, als Grundlage. Sie begannen mit den Gründungsgeschichten der beiden Städte Wittichenau und Hoyerswerda, die nicht nur weit ins frühe Mittelalter, sondern bis in graue Vorzeit zurückreichten. Sie weckten nicht nur Staunen, sondern auch Lachen und Nachdenken, wie aus wenig hundert Einwohnern Mitte des vorigen Jahrhunderts in wenigen Jahren eine damals moderne Stadt mehr als 70 000 Einwohnern beheimaten konnte, die zudem aus unüberschaubar weitem Umkreis herzuzogen. Die geübten Vorleserinnen fesselten mit Geschichten von den in dieser Region sehr häufig anzutreffenden Sühnekreuzen, die an Mord und Todschlag erinnern, an Schulgeschichten frühester Zeiten, die Else Zschiedrich, die Tochter des Müllermeisters, in den Jahren zwischen 1885 und 1900 aufschrieb Die Zuhörer staunten über die „Originale“ jener Zeiten, die in der Stadt nicht nur geduldet wurden, sondern das öffentliche Miteinander zu belebten. Ähnlich verträglich klang der Schluss, der erzählte, wie sich 1960 die bekannte Journalistin Renate Holland-Moritz mit Professor Richard Paulick, den Erbauer der Neustadt, vor Gericht trafen. Sie hatte in der Satire-Zeitschrift „Eulenspiegel“ geschrieben, in Hoyerswerda wurde ein Altersheim gebaut, obwohl nur 18 Rentner in ihr lebten, während 1159 Neugeborene mit ihren Müttern keine erste Heimstatt hätten. Als der weltbekannte Professor die jungen Journalistin sah, zog er seine Klage zurück, da er nicht „gegen Kinder klage“, wie er sagte. Das Haus wurde umgebaut und diente Jahrzehnte lang als Frauen- und Entbindungsklinik. Das Lachen erwies sich als ein gutes Heilmittel. Die beiden Lese-Partnerinnen dieses Abends bieten am 25.Juli wieder gemeinsam ein Programm, diesmal zu „Brigitte Reimann und Hoyerswerda“.

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