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Die "Heiligen drei Könige" im Gedächtnis der Jahrhunderte, ein Vortrag von Erich Busse
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- Geschrieben von: Christine Neudeck
„Die 3 Könige“ der biblischen Geschichte, wer oder was waren sie wirklich?
Erich Busse schlägt in seinem Vortrag beim Freundeskreis für Kunst und Literatur einen Bogen von 2000 Jahren, um der Geschichte der heiligen drei Könige in den christlichen Kirchen nachzuforschen. Gastgeber ist das Gemeindehaus Martin Luther King in Hoyerswerda, Bonhoefferstraße 11.
Die historischen Quellen sind sehr dürftig. In der Bibel, im Alten Testament, ist von Weissagungen zu hören, dass aus dem Geschlecht Davids der neue König der Juden kommen wird und dass Könige und Heiden ihm huldigen werden, denn er wird den Armen, Elenden und Gerechten ein Helfer sein, dazu gibt es folgende Bibelstellen:
Jesaja 60, 1-6: Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht, sie werden Gold und Weihrauch bringen und des Herren Lob verkündigen…
Psalm 72: … die Könige sollen Geschenke bringen, die Herrscher von Saba sollen Gaben senden an diesen neuen König der Juden.
Im Neuen Testament, im Matthäus-Evangelium, kommen Weise aus dem Morgenland zu dem neugeborenen neuen König der Juden, weil sie den Stern sahen und ihm bis nach Bethlehem folgten… sie taten ihre Schätze auf und schenkten Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Wo nur spärliche Informationen überliefert werden, bleibt viel Raum für Mutmaßungen und Spekulation, erklärt Erich Busse die weitere Entwicklung der Geschichte der „Drei Könige“ im Laufe der Jahrhunderte.
Es beginnt damit, dass man ihnen Namen gibt: Caspar, Melchior, Baltasar. Da man nicht genau weiß, sind es Weise, sind des Könige oder Magier, werden diese Begriffe in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder auftauchen, im Gedächtnis der Zeit aber setzt man ihnen eine Krone auf und spricht sie heilig, sie werden zu den „Heiligen drei Königen“.
Bereits im Jahr 343, als der Mailänder Bischof zum Kaiser des Römischen Reiches nach Konstantinopel reiste, schenkte der Kaiser ihm einen Marmorsarkophag mit den Gebeinen der heiligen drei Könige. Für diesen Sarkophag baut er in Mailand eine Kirche, St. Eustorgio, die zum Wallfahrtsort wird. Aus den Einnahmen baut man einen prächtigen Dom. Weil aber Mailand später Friedrich Barbarossa als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches nicht anerkennen will, führt Barbarossa Krieg, erobert Mailand und nimmt die Reliquien 1164 mit nach Köln. Von 1190 bis 1220 dauerte dann der Bau eines goldenen Schreins für die Reliquien. Danach beginnen die erhofften Massenwallfahrten nach Köln und aus den reich sprudelnden Einnahmen wird 1248 der Bau eines prächtigen gotischen Doms begonnen. Die Wallfahrten bleiben über Jahrhunderte ein einträgliches Geschäft. Die Gäste brauchen Quartier, brauchen Verpflegung, wollen unterhalten werden und sammeln Souvenirs. Köln wird zu einer der reichsten Städte und kann sich ich mit Rom und Konstantinopel messen. Jeder andere Ort versucht nun, irgendwie von diesem Reichtum zu partizipieren. Selbst Friedrich August II. von Sachsen (Sohn August des Starken) erhält 1741 einen Teil der Reliquien. 1902 allerdings gab der Kölner Erzbischof als Zeichen der Versöhnung einen kleinen Teil der Reliquien an Mailand zurück.
Zum „Schrein der heiligen drei Könige“ in den Kölner Dom kommen heute 20 bis 30 tausend Besucher täglich, also 7 – 8 Millionen im Jahr und, seit 1998 gehört der Dom zum Weltkulturerbe.
Weiter ist im Vortrag von bedeutenden Wallfahrtsorten weltweit mit Reliquien aller Art zu hören. Die Abtei von Vezeley in Frankreich ist einer der Ausgangsorte für den Jakobsweg. Sie erlebt eine ähnliche Blüte mit Reliquien der Maria Magdalena. Diese werden später als unecht eingestuft, trotzdem hat sich Vezeley bis heute den Status eines Wallfahrtsortes erhalten.
Martin Luther und andere Reformatoren kritisierten die Wallfahrten und schafften diese weitgehend ab. Aber auch innerhalb der katholischen Kirche gab es Kritik, 1844 bezeichnet der katholische Priester Johannes Ronge die Wallfahrten als bewusste Täuschung, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. „Christus hat den Gläubigen nicht seinen Rock, sondern seinen Geist hinterlassen.“ Ronge wird exkommuniziert und gründet später eine freireligiöse Bewegung.
Über alle Jahrhunderte hinweg haben Künstler die Anbetung der heiligen drei Könige in Bildern und Skulpturen dargestellt, auf mittelalterlichen Bildern trägt Maria eine Krone, die Gewänder der drei Könige sind prächtig, das Umfeld ist luxuriös. Ab dem 19. Jahrhundert werden die Bilder realistischer und schildern einfache Gelehrte, die einem Stern folgen. In Deutschland allein gibt es 35 Dreikönigskirchen, eine davon steht in Dresden Neustadt, die heiligen drei Könige aus Sandstein zieren hier das Turmportal.
Den Abschluss des Abends bildete die Erzählung „Der vierte König“, eine alte russische Legende, die seit Jahrhunderten in vielen Fassungen erzählt wird:
Der vierte König hatte beim Aufbruch im Morgenland den Anschluss an die drei anderen verpasst. Nun sucht er verzweifelt, allein nach Bethlehem zu kommen, aber der Stern verschwindet immer wieder, so dass er 30 bittere Jahre braucht, um Jesus zu finden. Er kommt am Berg Golgatha an, als Jesus am Kreuz stirbt. Für den neu geborenen König hatte er drei Edelsteine als Geschenk bringen wollen. Auf seinem Weg hatte er die Steine weggegeben, um einem kranken Waisenkind eine Pflegerin zu bezahlen, um einer Frau und ihren Kindern zu helfen, deren Mann gestorben war und die Schulden hatte. Den dritten Edelstein gibt er hin, um ein ganzes Dorf vor Tötung Verwüstung zu bewahren.
Nun am Kreuz von Golgatha steht er mit leeren Händen da, hat nur noch sein Herz, das er schenken kann. Und der Blick Jesu vom Kreuz herab sagt ihm, dass er alles richtig gemacht hat. Nun kann er in Ruhe sterben.
Ein ganz besonderer Dank geht an Erich Busse und seine Enkeltöchter für diesen interessanten Abend.
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