Kira Potowski, Mexico-City, berichtet vom Schulsystem in Mexiko beim Hoyerswerdaer Kunstverein.

Erstellt: Dienstag, 17. Dezember 2019 Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 22. Dezember 2019 Geschrieben von Christine Neudeck

Das Schulsystem in Mexiko - betrachtet von Kira Potowski

Kira Potowski, Mexico-City, berichtet vom Schulsystem in Mexiko beim Hoyerswerdaer Kunstverein.

Kira Potowski berichtet beim Hoyerswerdaer Kunstverein über Mexiko Seit nunmehr fünf Jahren lebt Kira Potowski in Mexico-City und arbeitet bei der deutschen Außenhandelskammer. Als Abteilungsleiterin für Trade & Investment fördert und betreut sie die Zusammenarbeit mit deutschen Firmen, die in Mexiko investieren und umgekehrt unterstützt sie mexikanische Firmen beim Einstieg in Deutschland.
Neben ihrer beruflichen Tätigkeit sucht sie immer wieder nach Schwerpunkten und Besonderheiten im Alltag dieses großen lateinamerikanischen Landes, das flächenmäßig 5,5 Mal so groß ist wie Deutschland und 120 Millionen Einwohner hat. Ein Land, das ihr immer mehr zur Heimat wird.
Trotz allem vergisst sie ihre erste Heimat Deutschland, speziell Hoyerswerda und Geierswalde, in keiner Weise. Im Kunstverein konnten wir bereits vieles von ihr hören über die spannende Geschichte der Pyramiden, verbunden mit der Geschichte der Azteken, erfuhren vom Wandel in der Politik, der aufgrund von übermäßiger Korruption in den Vorjahren heute ein sehr schwieriger ist und lernten ihre Arbeit kennen.
Das Schulsystem in Mexiko einmal näher zu betrachten, liegt bei ihr förmlich vor der Haustür. Ihre Mutter, Angela Potowski, bekannt als engagierte Deutschlehrerin und vorzügliche Interpretin beim Kunstverein, vermittelte ihr Sprache und Weltoffenheit, Kira war als Austauschschülerin für ein Jahr in den USA, studierte an verschiedenen Hochschulen in Deutschland, später in Seoul. Lateinamerika war für sie seit langem ein Traum. Und dieser Traum hält bis heute, trotz allem behält sie einen wachen Blick auf die Realität.
Heute also der Blick auf Mexikos Bildungspolitik. Das Recht auf Bildung ist in der Verfassung verankert, der Staat sorgt für öffentliche, obligatorische kostenlose Bildung, unabhängig von einer bestimmten Religion. Diese Grundausbildung erfolgt in drei Stufen, vorschulische Bildung von drei bis fünf Jahren in einem Kindergarten, danach 6 Jahre lang eine Primaria und weitere drei Jahre eine Secundaria, im Alter von 15 Jahren ist die Grundausbildung abgeschlossen. Ein erfolgreicher Abschluss ermöglicht den Zugang zu höherer Schulbildung, diese Schulen werden Preparatoria genannt und schließen mit dem Bachillerato ab, vergleichbar unserem Abitur. Ein anschließendes Studium ist an staatlichen und privaten Universitäten möglich, allerdings sind die kostenlosen Studiengänge an den staatlichen nur eingeschränkt möglich, da es einfach zu wenige davon gibt. An einer privaten Uni werden Studiengebühren erhoben, die nicht jeder zahlen kann. Abschlüsse an der Uni sind ein Bachelor nach vier Jahren, nach weiteren zwei ein Master und ein Doktorat, das nochmals drei Jahre dauert.
Kira Potowski berichtet, dass etwa 98 % der Kinder eingeschult werden, aber nur 67 % wirklich sechs Jahre lang eine Schule besuchen können, weil sie zum Unterhalt der Familie beitragen müssen, dass es wesentliche Unterschiede gibt zwischen Mexico-City, einem Ballungsgebiet von 40 Millionen Menschen, und den entlegenen Regionen, wo Schulen und Unterrichtsqualität arg vernachlässigt sind.
Da sie ihr eigenes Urteil als Außenstehende nicht so stehen lassen wollte, fragte sie Freunde und Kollegen nach den Erfahrungen ihres Werdegangs, von denen jeweils ein kleiner Film gezeigt wurde, und gab so dem Abend eine sehr authentische Note.
Oscar erzählt in beinahe fließendem Deutsch von einer guten Ausbildung, aber auch vom ungerechten System an den Universitäten. Er studierte Maschinenbau und ist überzeugt, dass er sich lebenslang weiterbilden wird, mit etwas Glück auch in Deutschland. Claudia berichte von ihren Kindern, die ihre Ausbildung in privaten Einrichtungen erleben durften: bessere Einrichtungen, qualifiziertere Lehrer und Professoren, bessere Chancen. Sie wünscht sich, dass eine solche Bildung allen mexikanischen Kindern ermöglicht wird. Alfredo, Arturo, Isaac und Eduardo können auf unterschiedliche Erfahrungen zurückgreifen, teils gut, teils schlecht. Alfredo sagt einen wichtigen Satz über seine Großmutter, sie lehrte ihn Werte- und Umgangsregeln, zu denen in Mexiko eine starke Bindung an die Familie gehört. Und er ist stolz, dass ihm in der Firma Bosch eine stetige Fortbildung in der technischen Abteilung garantiert wird.
Ein sehr spannender und sehr persönliche Blick auf ein entferntes Land, dass Kira Potowski hier in Hoyerswerda sehr lebendig werden lässt. Freuen wir uns auf ihr nächstes Thema im kommenden Jahr.

Mit  freundlicher Genehmigung von Sächsische Zeitung, Hoyerswerdaer Tageblatt.

 

 

 

 

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