Pückler und Fontane, zwei Reiseschriftsteller des 19. Jahrhunderts, Volkmar Herold und Christian Friedrich berichten.

Erstellt: Mittwoch, 15. Januar 2020 Zuletzt aktualisiert: Montag, 27. Januar 2020 Geschrieben von Christine Neudeck

Pückler und Fontane, zwei Reiseschriftsteller des 19. Jahrhunderts

Die Historiker Volkmar Herold und Christian Friedrich von der Stiftung Fürst-Pückler-Museum und Park Schloss Branitz sind zu Gast beim Hoyerswerdaer Kunstverein

Christian Friedrich und Volkmar Herold 2020 beim Hoyerswerdaer Kunstverein, von links. Die Historiker Volkmar Herold und Christian Friedrich beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Leben und Werk Pücklers. Im Museum in Branitz gibt es eine Dauerausstellung zu "Carl Blechen und Pückler", der eine als Landschaftsmaler, der andere als Landschaftsgestalter. Der 200. Geburtstag von Theodor Fontane 2019 allerdings war Anlass, einmal nach Gemeinsamkeiten zwischen Pückler und Fontane zu suchen, deshalb gab es zum Fontane-Jahr in Branitz eine Sonderausstellung zu "Carl Blechen und Fontane",  da Fontane Carl Blechen verehrte, ihn am größten und genialsten ist in seinen Skizzen gesehen hat. Carl Blechen als eine Art Bindeglied zwischen Pückler und Fontane. 
Nun war es ein spannendes Thema, diese zwei besonderen Reiseschriftsteller aus der Sicht der Historiker zu erleben, Hermann Fürst von Pückler-Muskau und Theodor Fontane. Beide lebten im 19. Jahrhundert. Und, obwohl sich ihre Lebenswege nie berührten, haben sie erstaunlich viel Gemeinsames. Pückler, geboren 1785 auf Schloss Muskau, gestorben 1871auf Schloss Branitz, war zeitlebens ein umtriebiger Reisender und Erzähler, ein selbstbewusster Aristokrat, "grundgut und extravakant", der materiell abgesichert war, der seine Zeit kritisch reflektierte und dem technischen Fortschritt huldigte.
Theodor Fontane war ebenfalls eine große Reiselust eigen. Er wurde 1819 als Sohn des Apothekers Louis Henry Fontane in Neuruppin geboren, der Großvater Fontanes war Kabinettssekretär von Königin Luise von Preußen. Fontane arbeitete viele Jahre selbst als Apotheker und danach als Berichterstatter für verschiedene große Zeitungen, vorrangig in Berlin. Im Vordergrund stand immer der Broterwerb. Völlig frei schaffend schrieb erst ab 1876. Theodor Fontane starb 1898 in Berlin.
Obwohl eine Begegnung nicht stattfand, trafen sie sich wahrscheinlich in ihren Büchern.
Fontane schrieb unter anderem für die "Neue Preußische Zeitung", die Pückler nachweislich gelesen hat. Fontane veröffentlichte hier eine Erzählung von Pückler über seinen Aufstieg mit dem Luftschiff, der für Pückler mit einem Desaster hoch in einer Fichte in Potsdam endete. Es also ziemlich wahrscheinlich, dass beide die Bücher des jeweils anderen kannten.
Womit wir bei der wichtigsten Gemeinsamkeit der beider Dichter wären, nämlich der Reiseliteratur. Beide reisen ihr Leben lang, schreiben darüber und reflektierten Zeitgeschichte.
Pückler bereiste halb Europa und den Orient, als Aristokrat reiste er oft mit standesgemäßen Empfehlungen. Seine erste 1. Londonreise allerdings war eine "Dienstreise", auf der er mit Lepold Schefer die berühmtem Gärten Englands besichtigte und so zum Parkgestalter, dem "grünen Fürsten" wurde.
Fontane besuchte im Auftrag der "Neuen Preußischen Zeitung" als Berichterstatter London, Koppenhagen und Paris. Später wandert er durch die Mark Brandenburg ins Ruppiner Land, Oderland, Havelland und Spreeland, er verfasst darüber die fünf Bände "Wanderungen durch die Mark Brandenburg".
Beide gaben ihren Reisberichten über alles, was sahen und erlebten oder auch dachten, eine poetische Form, die ein breites Publikum bis heute begeistert. Pückler erzählt aus der Sicht eines Adligen, Fontane aus der Sicht eines Bürgerlichen. Erstaunlicherweise fallen die Berichte zu Gesellschaft und Politik bei Pückler beinahe kritischer aus als bei Fontane. Pückler: "Wer Sitten schildern und das wahre Bild eines Landes... aufstellen will, dem muss es auch erlaubt sein, frei mit der Sprache herauszutreten. "
Fontane gab die größeren Freiheiten im Denken und Handeln seinen Frauenfiguren, in den Romanen, Effi Briest, Grete Minde, Stine oder Frau Jenny Treibel. In den "Wanderungen" pflegt er zum preußischen Adel einen "gewissen Mittelkurs zwischen Freisinnigkeit und Verbindlichkeit, zwischen Anerkennung und Anzweiflung des politischen Menschen... die Kerle sind unausstehlich und anziehend zugleich."
Vielleicht war es für die Zuhörer eine Anregung, einmal nachzulesen, was die beiden Dichter jeweils zur gleichen Thematik geschrieben haben.

 

 

 

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