Uwe Jordan liest aus einer Comic-Reihe von Marcello Argilli: Atomino.

Erstellt: Donnerstag, 20. Februar 2020 Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 23. Februar 2020 Geschrieben von Christine Neudeck

Atomino belehrt über Politik und Kernernergie

Uwe Jordan liest aus "Atomino" von Marcello Argilli. Uwe Jordan stellt seit vielen Jahren beim Hoyerswerdaer Kunstverein Bücher aus aller Welt vor. Nun das erste Mal sogar eine Comic-Geschichte. Und die Zuhörer staunten nicht schlecht, dass der italienische Schriftsteller, Marcello Argilli, bereits im Jahr 1963 Comic-Geschichten für Kinder erzählt, die Fluch und Segen der Atomenergie in Bild und Text zum Inhalt haben. Argilli erzählt heiter und weise, die Geschichten prägen sich ins Gedächtnis ein. Uwe Jordan wies in diesem Zusammenhang auf Maxim Gorki hin, der gesagt hatte, für Kinder müsse man schreiben wie für Erwachsene: Nur besser! Das Buch erweist sich darum als eigentliches Lehrbuch für Erwachsene, die Kinder erst in die Lage bringen, mit einer Atombombe zu leben zu müssen.
Veröffentlicht wurde diese Comic-Reihe 1964 auch in der Kinderzeitschrift "Frösi" in der DDR. Und es gab eine Buchausgabe für die Texte, aus denen Uwe Jordan las. Ein einfaches Lesen konnte man das allerdings nicht nennen, denn mit schauspielerischer Hingabe hauchte er allen Figuren ein authentisches Leben ein.
Es beginnt mit dem Kater Fantasio in einer Atomzentrale, in der viele Wissenschaftler ernsthaft an der Atomenergie forschen. Nicht nur aus Uran, sondern auch aus vielen anderen Elementen soll diese Wunderenergie hergestellt werden, mit der alle Probleme der Menschheit gelöst werden könnten. Nur der Kater versteht nicht, warum bei ihren hochwissenschaftlichen Erörterungen so etwas einfaches, wie das Wohl und Wehe eines Katers nicht vorkommt. Doch seine Stunde schlägt, als alle Wissenschaftler durch den General Simeone zum Rapport zitiert werden, die Hacken zusammenknallen und brav dem Befehl folgen. Heimlich wagt sich der Kater in den sonst streng bewachten Raum mit dem großen Topf und den vielen bunten Knöpfchen. Freudig und ausgelassen tanzt er auf den Knöpfchen herum, freut sich, wenn sich die schwarzen Arme über ihm hin und her bewegen und etwas in den Topf hineingeben. Das einsetzende Getöse wird immer furchterregender, bis plötzlich vor dem Kater ein kleines Wesen auftaucht, lieblich und freundlich, das zudem den Kater hingebungsvoll krault: Atomino, ein Riesen-Atom, das wie ein kleiner Roboter aussieht, nach dem die Wissenschaftler bisher vergeblich geforscht hatten.
Es bleibt nicht aus, dass der General Simeone das Atomino für die Armee beschlagnahmen will, was ihm erst nach mehreren Anläufen gelingt. Atomino weiß, dass er nicht weinen darf, denn die Tränen sind mit dem Stoff angereichert, den man für die Atombombe braucht. Doch man bringt ihn zum Weinen, als er im Kerker nicht mehr entfliehen kann und die Bombe wird gebaut. Benutzt Argilli die Tränen als Metapher für das große Leid, dass aus dem Abwurf von Atombomben im Jahr 1945 entstanden ist?
Neben dem Kater wird das Mädchen Esmeralda den kleinen Roboter Atomino begleiten, mit ihr erlebt Atomino weitere Abenteuer, er erfährt durch ein Röntgenbild, dass er gar kein lebloser Roboter ist, sondern wirklich ein rotes Herz hat, das schlägt. Sie werden die Bombe wieder in den Topf einsperren, wo sie hingehört. Nie wieder sollen Wissenschaftler vor einem General die Hacken zusammenknallen!
Nur der Kater bleibt unzufrieden, weil sein Verdienst nicht gebührend gewürdigt wird, obwohl er der meist fotografierte Kater der Welt ist und man ihn mit Professor Fantasio anspricht. Was hat er davon, wenn ihm Atomino und Esmeralda von ihrer Grönlandreise nicht einmal einen Wal mitgebracht haben, von dem er ein Leben lang hätte essen können?

 

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