Otto Bartning, ein Architekt der Moderne mit Spuren in Hoyerswerda

Erstellt: Mittwoch, 17. November 2021 Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 02. Dezember 2021 Geschrieben von Christine Neudeck

Johhanneskirchgemeinde Hoyerswerda erinnert an Otto Bartning und seine "Notkirchen" 

Lutherhaus Hoyerswerda, 70. Jahrestag der Einweihung am 17.11.1951 Otto Barning (1883-1959) ist ein Architekt des frühen 20. Jahrhunderts und des allgemein bekannten Bauhauses. Doch nur wenige kennen seinen Namen oder gar Bauwerke, die er gestaltet hat.
Deshalb war es gut, dass am Buß- und Bettag 2021 noch einmal an die Sonderausstellung erinnert wurde, die im Lutherhaus, einer des „Notkirchen“ von Otto Bartning, an der Johanneskirche in Hoyerswerda, zu sehen ist. Eingeweiht wurde das Gebäude vor genau 70 Jahren, am 17.11.1951, der Tag in diesem Jahr war ein Samstag. Eingeladen hatte die Gemeinde der Johanneskirche auf einen gemeinsamen Kaffee und zu einem kleinen Film.
Die Gäste der Birnbaum-Pflanzung „Grüne Hoyerswerdaer“ waren ebenfalls gekommen und erstaunlicherweise hatten beide Ereignisse etwas ganz Aktuelles gemeinsam, es geht um den Erhalt der Vielfalt, um lebendige Erinnerung und um den sorgsamen Umgang mit den Gütern dieser Erde. Und genau das ist der Grund, warum der Name Otto Bartning neben den vielen schillernden Architekten der Bauhaus-Ära beinahe in Vergessenheit geraten ist. Otto Bartnings Architektur zeichnet sich durch Sparsamkeit aus, kommt völlig unspektakulär daher und ist bezahlbar. Und in dieser Einfachheit zeigt sich ein besonderer Reiz, es ist der Hinweis darauf, dass wir nur kurze Zeit Gast auf dieser Erde sind und nicht mehr verbrauchen können, als wir hinzutun.
Neben vielen sozialen Wohnbauten und städtischen Gebäuden ist Otto Bartnings Name besonders mit dem Kirchenbau und mit den „Notkirchen“ verbunden, die von 1945 bis 1953 in allen Teilen Deutschland für und von evangelischen Kirchgemeinden errichtet wurden. Es gab größere und kleinere Modelle in vier verschiedenen Typen. Die tragende Holzkonstruktion, das Gestühl und hölzerne Einbauten wurden in Schweden gefertigt und zur Verfügung gestellt, den Rest musste die Gemeinde aufbringen. Dass das der damaligen evangelischen Kirchgemeinde Hoyerswerda innerhalb von einem Jahr mit dem Lutherhaus gelungen ist, kann man gar nicht genug bewundern. Am heutigen Tag staunte man über den Film der Otto-Bartning- Arbeitsgemeinschaft, der jeweils einen der vier verschiedenen Typen „Notkirchen“ dokumentierte. Denn in der Cyriak-Kapelle Erfurt traute man seinen Augen kaum, hier hatte man ein Déjà-vu, ein Raum, fast identisch mit dem Lutherhaus in Hoyerswerda, beide gehören zum Typ Diaspora-Kapelle und wurden Anfang der 50er errichtet.
In der Oberlausitz gibt es in Rauschwalde/Görlitz die von Otto Bartning im Jahr 1937 errichtete Christus- Kirche. Es ist der Heimatort von Kantor Johannes Leue. In dieser Kirche brachte der Hoyerswerdaer Oratorienchor 2010 das von Johannes Leue komponierte Oratorium „ Martin Luther King“ zu Gehör, ein passender Ort für die Geisteshaltung dieses großen Predigers, wie man nun nach einer „Begegnung“ mit Otto Bartning in Hoyerswerda weiß.

Cyriak-Kapelle Erfurt, ebenfalls eine Notkirche vom Typ "Diasporakapelle" Model der Notkirche vom Typ  "DIASPORAKAPELLE"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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